Mafia II

SSG Meinung
Deutschland, 27.08.2010. Wie lange hat die Fangemeinde auf diesen Tag gewartet? Ich verrate es, fast auf den Tag genau acht Jahre. Endlich veröffentlicht Take 2 den heiß ersehnten, zweiten Teil des legendären Gangster-Spiels. Werden die Fans für die lange Wartezeit belohnt und der 27.08. zum neuen Feiertag ernannt?
Nach einem kurzen Einleitungsvideo geht es bereits mit der ersten Mission los und zwar in einer Umgebung, mit der man eher bei Spielen wie Call of Duty rechnet. Denn der erste Schauplatz, der übrigens gleichzeitig auch als Tutorial dient, ist mitten im zweiten Weltkrieg auf Sizilien. Hier lernt Vito Scaletta, so der Name der Hauptfigur, das Kämpfen, ebenso wie der Spieler selbst, der sich mit der Steuerung vertraut machen kann. Zurück in Amerika warten bereits erste Probleme auf Vito. Denn seine Mutter hat Geldprobleme, deshalb muss er schnell an Kohle kommen. Was bietet sich da besser an, als eine Karriere als Mafioso? Vito’s Kumpel Joe hat zu dem Zeitpunkt bereits erste Kontakte zur amerikanischen Mafia geknüpft. Dass legale Arbeit langweilig ist, beweist anfangs eine Mission im Hafen, bei der Kisten auf einen Laster verladen werden sollen. Dadurch kann sich der Spieler sehr gut in die Lage von Vito versetzen, der einfach mehr Action sucht. Nach Erledigung des Jobs erscheint eine Zwischensequenz, bei der ein weitaus lukrativerer Job angeboten wird. Natürlich nutzt Vito diese Gelegenheit und der Aufstieg im Mafiaclan beginnt, was sich auch an seiner Wohnumgebung bemerkbar macht. Den Anfang macht eine Couch, später eine eigene Wohnung bis hin zu einem schicken Haus im besten Viertel der Stadt. Aufträge erhält Vito entweder über Telefon oder durch Hausbesuche.
Das Spiel enthält 15 Kapitel sowie gut zwei Stunden kinoreife Zwischensequenzen. Insgesamt reicht das für gute zehn Stunden Spielspaß. Dann ist das Abenteuer leider zu Ende. Hier kommen wir auch schon zum ersten Kritikpunkt. Der Umfang hätte deutlich größer ausfallen können. Nebenmissionen und noch schlimmer, die „freie Fahrt“, wie man sie von solchen Open-World-Games kennt, gibt es schlichtweg nicht. Dafür wirkt die Stadt namens Empire Bay lebendig und abwechslungsreich, schade jedoch dass es sich auf eine Stadt beschränkt und nicht wie im ersten Teil, Ausflüge aufs Land möglich sind. Außerdem gibt es feste Speicherpunkte, das heißt da zum Fortschritt auch neue Waffen, Fahrzeuge sowie Kleidung gehören, kann alles umsonst sein, falls Vito unerwartet umkommt.
Das Missionsdesign ist richtig gut gelungen, jede spielt sich anders und hat ihre eigene Geschichte. Zwar dauert es in einigen Missionen eine Weile bis es zum Schusswechsel kommt, dafür ist dieser dann umso spannender und mitreißender. Dazu passend die Möglichkeit auf Knopfdruck fest in Deckung zu gehen um dem Kugelhagel auszuweichen sowie die zahlreichen verschiedenen Waffen wie z.B. Maschinengewehr, Schrotflinte oder Magnum. Alle Charaktere sind sehr individuell gestaltet und haben ihre eigene Persönlichkeit mit Wiedererkennungswert. Klasse ist auch das Design und Fahrverhalten der Fahrzeuge, sowie die Möglichkeiten es individuell zu gestalten. In der Werkstatt lässt sich das Auto, vorausgesetzt natürlich das nötige Kleingeld ist vorhanden, sowohl optisch in Form von Außenfarbe und Reifen oder leistungsmäßig spürbar verbessern. Um einen Motorschaden zu vermeiden sollte das Fahrzeug je nach Beschädigung regelmäßig repariert werden.
Die Möglichkeiten der Grafik-Engine wurden von den Entwicklern ausgeschöpft. So bringen sie die Stadt wundervoll in Szene. Ebenso sind Fahrzeuge und Charaktere mit vielen Details versehen und überzeugen auf ganzer Linie. Werden im Menü die PhysX-Effekte aktiviert, können z.B. Räume verwüstet werden. Allerdings kostet dies viel Performance, eine gute bis sehr gute Grafikkarte wird dafür vorausgesetzt.
Auch die Soundkulisse braucht sich nicht zu verstecken denn zum Rumcruisen bieten sich rund um die Uhr drei Radiosender an, die von Klassik bis Rock alles im Angebot haben und sich in der jeweiligen Epoche unterscheiden. In den 40er Jahre laufen eher ruhige Oldies, während in den 50er Jahre flotte Rock-‘n‘-Töne aus den Boxen dröhnen. Selbst hier haben die Jungs von 2K Czech mitgedacht. Die deutsche Synchronisation und die Vertonung überzeugen ebenfalls und runden den positiven Eindruck ab.
Fazit
Was jetzt kommt ist Jammern auf hohem Niveau. Denn die Story einschließlich der Zwischensequenzen, das Missionsdesign, Grafik und Soundkulisse harmonieren richtig gut miteinander und machen Mafia 2 zu einem richtig guten Spiel. Die Wartezeit hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wehrmutstropfen wie der fehlende „Freie-Fahrt-Modus“ oder der „geringe“ Umfang sind da nur noch Nebensache, vor allem weil sich genau diese Punkte durch spätere Updates freischalten bzw. erweitern lassen. Also war es vielleicht sogar so gewollt von den Entwicklern…
Trotzdem ist Mafia 2 auf Augenhöhe mit Spielen wie Red Dead Redemption oder GTA IV. Mein einziger Wunsch ist dass ich auf Mafia 3 nicht wieder acht Jahre warten muss…






