Agrar Simulator 2011: Gold Edition

SSG Meinung
Bauer sucht Nachahmer.
Nachdem sich so mancher Landwirt mit der Partnersuche schwer zu tun scheint und damit das Programm des deutschen (und internationalen) Fernsehens ein neues Format geboren hat, erfreut sich der virtuelle Arbeitsalltag dieser Berufsgruppe auch auf dem PC-Sektor großer Beliebtheit.
Dass dieses System funktionieren kann zeigt der "Landwirtschafts Simulator", der sich innerhalb der letzten Jahre zu einer äußerst erfolgreichen Reihe entwickelt hat. Wie so oft bleibt die Konkurrenz da nicht aus und das bayerische Entwicklerstudio UIG kontert mit dem "Agrar Simulator 2011", in der Gold-Edition mit dem Add-On "Biogas" inklusive. Simulatoren-Freunde kennen die turbulente Historie zu besagtem Titel, entsprechende Testberichte halten sich mit Kritik auch nicht zurück. Begonnen hat die Geschichte bereits im Oktober 2010, als UIG den "Agrar Simulator" noch vor dem Release des oben erwähnten Konkurrenz-Produktes auf den Markt geworfen hat. Und 'geworfen' scheint der richtige Begriff zu sein, da das Spiel zu diesem Zeitpunkt mehr als nur unausgereift war. Es hatte den Anschein, als würde man auf Gedeih & Verderb die Käufer vorab für den Agrar Simulator gewinnen wollen, die Enttäuschung der angehenden Jung- und Altbauern nahm man wohl in Kauf. Als "unspielbar" bezeichnete so mancher Tester die Software. Dies war aber nicht der Grund dafür, dass eine Rückrufaktion für dieses Spiel ausgerufen wurde. Vielmehr hatte die Konkurrenz aus Mönchengladbach eine einstweilige Verfügung beantragt.
Offenbar eine gute Gelegenheit um den ein oder anderen Patch für das Spiel zu entwickeln und anschließend eine Version auf den Markt zu bringen, die dem Spieler auch Freude bereiten könnte... Exakt diese Version liegt uns in der "Gold Edition" inklusive dem Add-On "Biogas" jetzt vor.
Ein Tag auf dem Bauernhof
...begann früher im Agrar Simulator 2011 leider ohne jegliche Einweisung. Der geschulte Bauer wusste sicher was zu tun ist, Neulinge aber fühlten sich ohne Tutorial und Einleitung ein bißchen allein gelassen. Doch fehlte es nicht nur an der EINleitung, es fehlte leider auch an der ANleitung. Das Spiel begann indem man auf "Fortsetzen" klickte, obwohl zuvor nie ein Spiel gestartet wurde. Mittlerweile wirkt das ganze schon strukturierter und man findet einen schnellen Einstieg in das Spielgeschehen.
Mein Hof
Ein Blick in die Halle des Fuhrparks offenbart dennoch erstmal gähnende Leere. Über einen Druck auf ESC gelangt man in das Hauptmenü, alternativ kann mit den Symbolen am oberen Bildschirmrand navigiert werden. Hier kann der anstrebende Landwirt dann auch fleißig Gerätschaften und Fahrzeuge anschaffen, damit das mit dem Felder bewirtschaften noch vor dem Winter klappt. Glücklicherweise startet man nicht gerade kapitallos in das Bauern-Leben, denn dem Konsumwahn in Sachen Landwirtschaftsgeräte darf fleißig gefröhnt werden, die Grenze setzt nicht zwingend das Kapital, sondern das Volumen der Scheune. Sobald der Fuhpark steht kann das erste Saatgut angeschafft werden und die Arbeit beginnen. Auf dem enthaltenen Marktplatz können stets Warenwerte verglichen, neue Maschinen begutachtet und Produkte sowie tierisches Kapital veräußert und erworben werden.
Feldforschung
Landwirt sein ist genau so, wie man es sich vorstellt- zumindest die gängigen Aufgaben vom Vorbereiten der Felder, Setzen des Saatgutes über kräftiges Düngen und letztendlich wird die Ernte eingefahren. Das bleibende Problem ist nur, dass echtes "Treckerfahren" irgendwie spannender anmutet als dieselbe Tätigkeit am heimischen Rechner nachzuvollziehen. Es dauert nicht lang, da stellt sich dann doch ein Gefühl der Monotonie ein. Klar, man kann das Fenster aufreißen oder einen Ventilator auf halber Stufe aktivieren um zumindest das Gefühl frischer Luft um sich zu haben. Ein bißchen Kuhdung auf der Heizung sorgt für das nötige Land-Flair, doch irgendwie kommt keine passende Stimmung auf- abgesehen davon, dass die Energiekosten steigen. Gespart werden könnte durch neue, virtuelle Gewinne im Sektor "Biogas", dieses Add-On bietet dem Spieler neue Geräte zur Erwirtschaftung weiterer Sektoren der Landwirtschaft, die sich auf lange Sicht zwar ähnlich monoton gestaltet, zwischendurch aber durchaus frischen Wind auf den Hof bringen. Genrell gilt: Man sollte regelmäßig das Tätigkeitsfeld wechseln und sich anderen Aufgaben widmen um der Monotonie vorzubeugen. Warum nicht mal einen Abstecher in den Stall machen und das erwirtschaftete Futter direkt an die eigene Viehzucht verfüttern um somit neue Produktkategorien zu veräußern? Ziel ist es, mit dem erwirtschafteten Kapital neue Maschinen und hochwertigeres Saatgut zu erstehen. Und wem die ganze Arbeit zu viel wird (und wer es sich leisten kann), der stellt sich einfach ein paar fleißige Helferlein ein, die ihm ungeliebte Tätigkeiten abnehmen. Alternativ kann auch online gespielt werden, siehe später im Test.
Grafik
An sich wirkt die Landschaft durchaus gut umgesetzt, an Details wird nicht gegeizt, leider verhält es sich hier aber nach dem Prinzip "Nicht lieblos, doch leblos". Die Texturen-Abgrenzungen sind zumeist deutlich sichtbar, was dem Spiel dann doch einen leicht überholten Look verleiht. Wiesen, Wälder, Berge und urige Häuschen, ein wenig Urlaubsstimmung kommt schon auf, doch ist auch dieses Panorama nach 30 Minuten derselben Tätigkeit ausgereizt. Hat man den Tag- und Nachtwechsel im ersten Release des "Agrar Simulator 2011" noch vermisst, so ist dieser nun in der gepatchten Version vorhanden und macht sich auch ganz gut. Endlich gibt es auch verschiedene Wetterlagen zu bestaunen, die relativ realistisch nachempfunden sind.
Sound
Vorhanden. Vielmehr konnte man vor knapp einem Jahr fast nicht dazu sagen, denn auch hier wurde an Realismus und Authentizität gespart. Mittlerweile hat sich das durchaus geändert und nicht zuletzt durch die nachgelieferte Sprachausgabe hat der Titel enorm an Qualität gewonnen! Tiere und Maschinen klingen nun authentischer und untermalen die vorherrschende Bauern-Stimmung.
"Bauern, vereinigt euch!"
Online darf übrigens auch mit anderen Bauern gemeinsam gespielt werden, hier kann ganz klar die persönlich präferierte Rollenverteilung mit Kind & Kegel geübt oder getestet werden. Die Aufgaben am Hof können verteilt werden, was die Produktivität steigert und mehr Kapital erwirtschaften lässt. Und auch ein Bauer ist nicht gern allein... Die integrierte Chatfunktion und ein sauberes Verteilungssystem macht dieses Feature tatsächlich zu einem Spaß für zwischendurch.
Fazit
Nachdem sich UIG mit der Spielergemeinde beraten hatte und die Version komplett überarbeitet wurde sieht das Ganze schon anders aus, das Spiel hat an Struktur und nicht zuletzt an Spieloptionen stark zugelegt. Die offizielle Claas-Lizenz tut ihr Restliches, mit "echten" Maschinen zu arbeiten ist ein enormer Gewinn für das Realismus-Gefühl vor dem Bildschirm. Grafisch sind sowohl Landschaft als auch die Fahrzeuge gut umgesetzt, hier und da wirkt das Spiel dennoch etwas altbacken, was auf die hinterlegten Texturen zurückzuführen ist. Die Steuerung ist bis heute nicht wirklich optimal, doch seit der Überarbeitung des "Agrar Simulator 2011: Gold Edition" hat sich wirklich einiges getan, das muss man UIG lassen! Wer das Spiel bereits abgeschrieben hatte sollte hier nochmal einen Versuch wagen und sich von dem Ergebnis überzeugen. Wenn UIG so weiter macht, wird man die Software zukünftig doch mit dem Konkurrenzprodukt vergleichen können, bisher wäre das ein unfairer Kampf gewesen.








