Cities in Motion

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Redakteur: JJ

Cities in Motion

Genre: Simulation

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Cities in Motion-Cover
Erscheinungstermin:
25/02/2011
USK:
ohne Altersbeschränkung
Entwickler:
Colossal Order
Vertrieb:
Paradox Interactive / Koch Media GmbH
Anzahl Spieler:
1
Onlinefähig:
Ja
Website:
Preis:
ca. 30.00 €
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SSG Meinung

Schon wieder den Anschluss verpasst?

... mit Cities in Motion von Paradox Interactive sitzen Sie nun endlich selbst am  Hebel und dürfen fleißig Linien kreieren, Fahrzeuge kaufen und ein Verkehrsnetz errichten,  dass Ihre Fahrgäste zufrieden stimmt.

Cities in Motion ist für Fans des ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) ein lange erwartetes  Juwel, ist es doch gewissermaßen eine moderne, weiterentwickelte Version des im Jahre 2000  erschienenen Verkehrsgigant des Entwicklers und Publishers JoWooD.

Das eigene Verkehrsunternehmen
Hintergrund des Verkehrsgigant und vorliegendem Titel Cities in Motion war und ist das Leiten  eines eigenen Verkehrsunternehmens. Sie managen den kompletten Ablauf und Aufbau Ihres eigenen  Verkehrsnetzes. Von der Bushaltestelle über den Kauf von Bussen, Straßen- und U-Bahnen  inlusive der Linienerstellung liegt alles in Ihrer Hand. Ziel ist es, wie in  Wirtschaftssimulationen üblich, ein gewinnbringendes und von den Kunden akzeptiertes  Unternehmen aufzubauen. Doch Wirtschaftskrisen, Unfälle und nicht zuletzt unzufriedene  Fahrgäste werden Ihnen den Weg zum Verkehrs-Mogul alles andere als einfach gestalten ...

Einmal Kurzstrecke durch die Geschichte, bitte.
Cities in Motion bietet vor dem Hintergrund eines wirtschaftlich florierenden  Verkehrsunternehmens gleichzeitig eine Zeitreise durch die fast 100-jährige Geschichte des  Verkehrssystems. So hat der Spieler die Möglichkeit, das Szenario in dem Zeitfenster 1920-2020  anzulegen. Zeitgemäße Fahrzeuge aus der jeweiligen Epoche und ein ebenso ansprechend  gestaltetes Stadtbild versetzen den Spieler in die Anfänge des Personennahverkehrs. Die Städte  wachsen an, immer mehr Menschen ziehen vom Land in die Stadt, immer mehr Fahrzeuge bewegen  sich auf den engen Straßen und der Weg ans Ziel wird durch die Ausmaße der ehemaligen Siedlung  immer beschwerlicher. Doch Hilfe naht, als Verkehrs-Mogul der 20er Jahre steigt der Spieler in  das Geschäft ein, kauft historische Busse und transportiert damit die ersten Fahrgäste ans  Ziel. Im Laufe der Zeit entwickeln sich die Busse weiter, mehr Sitzplätze und mehr Komfort  locken weitere Teile der Bevölkerung in die öffentlichen Verkehrsmittel. Die ersten  Straßenbahnnetze werden erbaut und schnell hat man die Gunst der Bevölkerung gewonnen und darf  an den Fahrpreisen schrauben - doch Vorsicht, nicht jede Fahrt ist den Preis wert und die  nächste Wirtschaftskrise wird Ihrem jungen Unternehmen womöglich den Gnadenstoß verpassen -  gut haushalten ist also angesagt.

Berlin, Amsterdam, Wien, Helsinki
Dies sind die vier Hauptstädte, die im Kampagnen-Modus für 12 verschiedene Szenarios zur  Verfügung stehen. Selbstverständlich gibt es auch einen Sandkastenmodus für selbstbestimmte  Bastler und obendrauf spendiert und Paradox Entertainment einen eigenen Karten-Editor, doch  dazu später mehr.

Wer schonmal in Berlin war der weiß, wieviele Autos sich durch die Straßen der Hauptstadt  drängeln. Immerhin auf rund 20% aller Straßen herrscht Stau, das platziert Berlin an Platz 38  der staureichsten Städte Europas. Doch jetzt sind Sie ja da und dürfen das Verkehrsnetz der  Hauptstadt wieder auf Trab bringen. Ein weiteres, interessantes Szenario ist Amsterdam mit all  den Grachten, die sich durch den Stadtkern ziehen - hier beweisen sich die Wassertaxis als  gute Ergänzung zu anderen Linien. Wien und Helsinki stellen wieder ganz andere Ansprüche an  den Spieler und nicht zuletzt dadurch bietet das Spiel für begeisterte Wirtschafts -"Simulanten" jede Menge zu entdecken und zu tüfteln.

Die Einwohner - Studenten, Pensionäre, Geschäftsleute & Arbeiter
... bilden die Bevölkerungsmasse in Cities in Motion. Die Entwickler haben ein komplexes,  vernetztes System für das Leben in der (Groß-)Stadt entworfen. So hat wirklich jedes  Pixelmännchen sein Zuhause, seinen Arbeitsplatz und seine Ziele, sei es die Uni, die Fabrik,  das Kaufhaus oder das Stadion. Nach dem Anklicken eines Bürgers öffnet sich ein Informations- Fenster und man kann neben Details auch die Info ablesen, ob es sich bei diesem Kameraden um  einen Autofahrer oder Nützer des ÖPNV handelt. Generell wirkt das Stadtleben sehr authentisch,  Studenten fahren in die Uni - oder doch lieber ins Café -, die Arbeiter sind auf dem Weg in  die Arbeit, Geschäftsleute strömen in die Innenstadt und die Hausfrau von nebenan deckt sich  im Kaufhaus am Stadtrand mit Einkäufen ein - und im besten Fall legen alle Beteiligten den Weg  per Nahverkehr zurück - da klingelt es in der Unternehmerkasse!

Linie 1
Über das Informationsmenü neben der integrierten Mini-Karte kann man sich die überlasteten  Routen anzeigen lassen, die Bevölkerungsdichte abschätzen oder die Entwicklung und Effizienz  der eigenen Routen erfahren. So kann man die optimale Zubringer-Buslinie zur zentralen U-Bahn -Station errichten oder betuchte Manager per Helikopter ans Ziel bringen. Helikopter eignen  sich natürlich auch sehr gut, um einen Ausblick über die Stadt zu erhaschen, was weniger bei  der Bevölkerung, aber bei Touristen besonders beliebt ist - die zahlen auch gerne paar  Währungseinheiten mehr für den Ausflug. Über den Fluß, der sich leicht gewunden durch die  Stadt schlängelt, tuckern Boote, die zum Beispiel die Brücken an den beiden Uferpromenaden  entlasten. Straßenbahnen sind besonders im Innenstadtbereich sehr effizient, können aber auch  als Überlandbahn abgelegene Stadtteile erschließen. Der Bus dient als Zubringer und die U-Bahn  vernetzt die beliebtesten Standorte inklusive dem gut frequentierten Flughafen am Stadtrand.

Der Linienbau erfolgt zügig, anfangs noch etwas ungewohnt gewöhnt man sich schnell an die  Steuerung - auch wenn so manche Stellen sehr fummelig sind und es mehrere Versuche braucht,  bis die Haltestelle oder der Schienenstrang genau dort ist, wo man ihn haben will. Die  unterirdischen U-Bahn-Linien (man kann auch als Hochbahn und ebenerdig bauen) sind wohl die  anspruchsvollste Herausforderung an den Baumeister, hier muss man Geduld mitbringen. Des  Weiteren sind alle Bahnhöfe nur in vier Richtungen anzubringen, d.h. nur im 90° Winkel  drehbar. Während z.B. u-Bahn-Schienen auch im 45° Winkel verlegt werden können, kann in dieser  Position keine Haltestelle eingefügt werden. Straßen und Häuser sind fix, entweder man bastelt  sich seine Stadt im Editor vor oder muss sich eben mit den örtlichen Gegebenheiten arrangieren  - wobei das realistisch ist, nicht jedes Haus wird abgerissen, nur weil das der kürzeste Weg  für die neue Hochbahn ist.

Eine Linie erstellt man nach dem Bau der Haltestellen - bzw. Gleisen bei U- und Straßenbahn -  indem man einfach die verschiedenen Haltestellen nacheinander anklickt - intuitiv, simpel,  verständlich. Dann noch das passende Fahrzeug mit optimaler Kapazität und Geschwindigkeit  hinzugefügt und mit dem Klick auf die grüne Flagge kann die Fahrt beginnen. Nur Fahrpläne kann  man leider nicht anlegen. Nutzt man mehrere Busse auf einer Linie kann man sie natürlich  zeitversetzt starten, doch so mancher Stau führt dazu, dass früher oder später doch eine  kleine Kolonne an Bussen immer gleichzeitig an Stationen einfährt. Schade, denn das wäre quasi  das Sahnehäubchen für Cities in Motion gewesen. Doch wer sich ein wenig mit dem Thema befasst  weiß auch, dass Fahrplanerstellung eine der anspruchvollsten mathematischen Herausforderungen  überhaupt ist - vor allem bei einem Betrieb von mehr als 10 Linien, die aufeinander abgestimmt  werden müssen. Mit der Anzahl der Haltestellen multipliziert sich der Aufwand exorbitant.

Meine eigene Stadt
Mit dem beiliegenden Karten-Editor dürfen kreative Köpfe - die die nötige Zeit mitbringen -  eine eigene Stadt kreieren. Hier sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt - abgesehen davon,  dass man bisher ausschließlich die im Spiel bereits vorhandenen Gebäude nutzen kann. Doch auch  hier arbeitet die Community zu Cities in Motion an Möglichkeiten, Farbe und später auch Form  der verwendeten Bauten abzuändern. Es braucht etwas Zeit um sich in den Editor einzufinden,  doch im Grunde sind alle Elemente verständlich angeordnet und nach kurzer Zeit sind erste  Ergebnisse erkennbar. Man muss sich allerdings darauf vorbereiten, dass das Erschaffen einer  kompletten Stadt viel Zeit in Anspruch nehmen wird, da wirklich jeder Briefkasten und jedes  Verkehrszeichen einzeln gesetzt werden kann/muss. Für Bastler und Freunde der kreativen Kunst  allerdings ein gefundenes Fressen.

Technische Aspekte
Das Spiel läuft stabil und ich konnte keine Abstürze verzeichnen. Grafisch bewegt es sich in  diesem Genre auf hohem Niveau. Die Animationen wirken wirklichkeitsnah und die Straßen belebt  durch Autos, Züge und überall wuselt es von Passanten. Der Spielsound dudelt dezent im  Hintergrund und ich habe ihn nicht als störend empfunden - lediglich im Hauptmenü wird man mit  etwas aufdringlicher Musik beschallt.

Der Fuhrpark
Der Spieler kann aus unten aufgelisteten Verkehrsmitteln wählen. Insgesamt stehen über 30  verschiedene Busse, Straßenbahnen, Boote und Helikopter für den schnellen Transport der  Fahrgäste zur Verfügung.

Busse:
Maurice Astor (Kapazität 8 | 15; Geschw. 30 | 40)
Livingstone Ocelot (Kapazität 12 | 25; Geschw. 40 | 45)
Bismarck (Kapazität 18 | 50; Geschw. 35 | 45)
Jubilee Carrier (Kapazität 14 | 25; Geschw. 45 | 50)
Pavlov Extended (Kapazität 20 | 60; Geschw. 40 | 50)
Stern-Berger Urban (Kapazität 14 | 30; Geschw. 55 | 55)
Pathfinder City (Kapazität 18 | 40; Geschw. 50 | 55)
Stern-Berger 1200 (Kapazität 16 | 30; Geschw. 55 | 55)
DD-Jubilee Turtle (Kapazität 20 | 70; Geschw. 45 | 55)
Pavlov Stretch (Kapazität 24 | 50; Geschw. 50 | 55)
Arnauld Supra (Kapazität 16 | 45; Geschw. 60 | 60)
Stern-Berger Doppel (Kapazität 25 | 110 - 130 (je nach Hersteller) | 120; Geschw. 55 | 55)
Comet XL (Kapazität 29 | 180 - 225 (je nach Hersteller) | 200; Geschw. 60 | 60)
Jubilee Compact (Kapazität 12 | 20; Geschw. 80 | 60)
Maurice Futura (Kapazität 18 | 40; Geschw. 70 | 60)

Straßenbahn-Züge:
Zossen Mark-I (Kapazität 10 | 54 - 60 | 40; Geschw. 65 | 60)
James Cook (Kapazität 15 | 80; Geschw. 50 | 55)
Pavlov Elektika (Kapazität 20 | 111 | 2x 50; Geschw. 60 | 70 | 60)
Espen 1 (Kapazität 24 | 105 | 100; Geschw. 70 | 70)
Railcard Volatio (Kapazität 30 | 180; Geschw. 75 | 75)
Louis Enviro X (Kapazität 34 | 200 | 200; Geschw. 85 | 85)
Scanditram Milti (Kapazität 26 | 100); Geschw. 80 | 80)

U-Bahnen:
Brotzeitschachtel (Kapazität 4 Wagen je 10 | 2 Wagen mit 88 | 4 Wagen je 40; Geschw. 60 | 50 |  60)
Livingstone Bulwark (Kapazität 50; Geschw. 85 | 85)
Arnauld Mobile (Kapazität 60; Geschw. 75 | 75)
Brighton Roller (Kapazität 72; Geschw. 80 | 80)
Musketeur C4 (Kapazität 90; Geschw. 90 | 90)
Galaxie Zoner (Kapazität 65; Geschw. 100 | 100)

Helikopter:
Colossal Mosquito (Kapazität 16; Geschw. 80)
Lancer 620 (Kapazität 10; Geschw. 90)
Aerocruiser 4 (Kapazität 12; Geschw. 100)

Wassertaxis:
Mandrake Steamer (Kapazität 36; Geschw. 40)
Ciapada Loutra (Kapazität 25; Geschw. 60)
Donau Turtle (Kapazität 40; Geschw. 80)

Alle Fahrzeuge sind in verschiedenen "Ausbaustufen" verfügbar, so gibt es Busse mit und ohne  Drehgelenk, Straßenbahnen mit 2 oder 3 Wagen usw. - somit kann man stets auf die Bedürfnisse  der Situation reagieren. Die digitalen Verkehrsmittel tragen fikive Namen, sind aber natürlich  stark an die Hersteller der uns bekannten Modelle angelehnt. So können Kenner auch erkennen,  dass der im Spiel verwendete Bus "Pathfinder City" doch sehr stark dem AEC Routemaster ähnelt,  der das Stadtbild Londons seit Jahrzehnten prägt. Straßenbahn-Freunde finden Modelle von MAN,  Duewag (E1), Alstom, Adtranz Variotram etc. vor.

FAZIT

(+) PRO
Komplexes Handlungssystem mit gut umgesetzter, variabler Bevölkerungs-KI
Liebevoll gestaltete, detailierte Szenerie, die auch einfach nur zum Zuschauen einlädt
Sehr gut animierte Fahrzeug-Modelle
Vielseitiger Karten-Editor für Bastler mit Zeit
Linienbau (größtenteils) intuitiv und schnell verinnerlicht

(-) CONTRA
U-Bahn Bau stellenweise sehr kompliziert
Leider sind nur 90°-Drehungen der Bahnhöfe möglich
Straßen und Häuser können nicht abgerissen werden
Anlegen eines Fahrplanes nicht möglich, Staugefahr unter den selbst eingesetzten Bussen

Wer sich für Verkehrsgigant begeistern konnte, der wird Cities in Motion lieben! Bereits jetzt  hat sich eine gute Community versammelt, die das Spielgeschehen mit Mods (durch Spieler  entwickelte Erweiterungen) noch weiter optimieren. Auch Paradox Entertainment will weitere  Spielinhalte veröffentlichen. Wer Interesse für Verkehrssysteme mitbringt und gern tüftelt  wird mit diesem Titel für lange Zeit beschäftigt sein. Alleine die Kampagnen nehmen viel Zeit  in Anspruch, der Sandkastenmodus und selbst kreierte Karten erledigen den Rest. Insgesamt ein  sehr detaillierter, liebevoll gestalteter Wirtschaftssimulator - doch Vorsicht: Nicht zu  verachtender Suchtfaktor!

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