Kehrmaschinen-Simulator 2011

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Redakteur: JJ

Kehrmaschinen-Simulator 2011

Genre: Simulation

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Kehrmaschinen Simulator 2011-Cover
Erscheinungstermin:
16/03/2011
USK:
ohne Altersbeschränkung
Entwickler:
TML-Studios, Astragon
Vertrieb:
Astragon
Anzahl Spieler:
1
Onlinefähig:
Nein
Website:
Preis:
ca. 18.00 €
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SSG Meinung

Jetzt geht es dem virtuellen Dreck an den Kragen!

Invasion der Simulatoren - Der Reiz des Alltäglichen
Alltags-Simulatoren sprießen seit geraumer Zeit aus dem Boden wie aktuell die ersten Blumen zum Frühlingsanfang und zugegebenermaßen ist der Markt dahingehend schon übersättigt. Doch worin liegt der Reiz an der Simulation der Tätigkeiten, die andere jeden Tag auf Arbeit erledigen? Für mich liegt bei vielen Spielen das Interesse in der "virtuellen Realität", dem durch Unmengen an Pixeln inszenierten Abbild der uns bekannten Welt (oder auch nie gesehene, fantastievolle Kreationen). Sicherlich ist eine packende Geschichte, komplexe Charaktere und das stimmige Gameplay eine wichtige Zutat in der Spiele-Suppe, doch bleibt die der Realtiät nachempfundene Spielwelt doch stets die entsprechende Plattform - die Basis - für das Szenario. Und diese Basis ist für mich ein maßgebendes Element für den Spaß, den ich mit einem Spiel habe und nicht zuletzt für die Atmosphäre, die dem Spieler vermittelt wird. Hinzu kommen dann je nach Genre noch Faktoren wie die oben genannte Story, Charaktere, Gameplay, Realitätsfaktor etc.

Gerade letzteres spielt bei (Alltags-)Simulatoren eine sehr große Rolle, denn in diesem Genre kommt es im Grunde nur darauf an, die Tätigkeit möglichst wirklichkeitsgetreu nachzustellen und somit dem Spieler das Gefühl zu geben, wie sich Arbeitsabläufe, Bedienung von Maschinen/Fahrzeugen und gegebenefalls auftretende Komplikationen darstellen. All diese Faktoren teste ich heute für euch an dem Kehrmaschinen-Simulator 2011 aus den TML Studios, die gemeinsam mit Publisher Astragon im Simulatoren-Segment durchaus bekannt sind.


Die Kehrmaschine - Ein Vehikel voller Technik
Jeder kennt die orangefarbenen Fahrzeuge, die einem an allen möglichen Orten begegnen - zumeist mit laut rotierenden Bürsten - und unsere Umgebung von lästigem Schmutz und Dreck befreien. Die neueste Generation an Kehrmaschinen wirkt fast schon futuristisch durch das moderne Design. Eine hochgezogene Frontscheibe, die sich über die gesamte Fahrzeugbreite erstreckt, eine schlanke, kompakte Form, um auch auf engen Platzverhältnissen rangieren zu können und natürlich der obligatorische Anbau diverser Bürsten- und Beleuchtungssysteme an der Vorderseite des Gefährts.

Man mag es kaum glauben, aber in diesen kleinen Wagen ist jede Menge Technik verbaut. Ein Blick auf die unzähligen Tastenbefehle zeigt, dass dieser Simulator um einiges detaillierter gestaltet wurde als Bürste rauf-Bürste runter und vielleicht noch ein bißchen Licht. Die ausführbaren Optionen im Kehrmaschinen-Simulator 2011 reichen von Cockpitbeleuchtung, (Warn-)Blinker, Scheinwerfer, Rundumleuchte, Aufblendlicht über die komplexe Bürstensteuerung, "Bürstenscheinwerfer", (De-)Aktivieren der Wasserdüse, Automatik-Gangschaltung bis hin zum Öffnen und Schließen des Abfallhängers.


Kleine Hilfestellung
Allen, die sich gerade solch eine opulente Menge an Tastenbefehlen sowieso nie merken können bzw. nicht jedes Mal die pdf-Datei auf der Spiel-CD rauskramen wollen, empfehle ich vor dem Spielstart die Datei "Anleitung" (enthalten auf der Spiel-CD) auszudrucken, um bei der virtuellen Abenddämmerung nicht erst die Taste für das Licht suchen zu müssen ...


Morgens um 9 - Arbeitsantritt
Wie üblich beginnt man das Spiel mit einem kleinen Tutorial, um den Spieler an die Steuerung der Fahrzeuge und der Organisation des kleinen Unternehmens heranzuführen. Denn im Grunde arbeitet man im Kehrmaschinen-Simulator 2011 nicht nur als Angestellter, nein, man ist selbstständig und schmeißt den ganzen Laden in Eigenregie - und da unser Unternehmen noch ganz am Anfang seiner Karriere steht muss man sich wohl noch selbst die Hände schmutzig machen um das Geld einzufahren. Der steuerbare Charakter bleibt allerdings im gesamten Spielverlauf ein anonymer Platzhalter. Weder unsere Spielfigur, noch unsere Firma können wir benennen oder konfigurieren. Der Kerl mit den dunklen Haaren in der orangenen Uniform ist namenlos, aber immerhin folgt er meinen Befehlen über die Tastatur. Im Büro checkt man das Postfach nach neuen Aufträgen und siehe da, der Bürgermeister von Sauberhausen hat Bedarf an unseren Reinigungsdiensten - Auftrag angenommen. Neben neuen Aufträgen findet man im Büro noch Menüpunkte für Fuhrpark, Statistiken und die aktuelle Gewinn-/Verlustrechnung.

Nachdem wir nun wissen, dass Sauberhausen unsere Hilfe braucht lotst uns das Tutorial in die Lagerhalle gegenüber und nachdem sich das Rolltor automatisch geöffnet hat können wir das erste Fahrzeug bedienen. Eine kurze Einführung zeigt uns die wichtigsten Befehle, dann dürfen wir direkt eine schmutzige Fläche auf dem Hof unserer Firma reinigen. Die Cockpitansicht ist sehr detailliert und realitätsnah umgesetzt, auch wenn sich das Lenkrad wie von Geisterhand dreht. Die Armaturen und Schalthebel sind deutlich erkennbar, die Verwendung erfolgt aber ausschließlich über Tasteneingabe, ein Anklicken und Ziehen wie man es aus so manchem Bahn-Simulator kennt gibt es im Kehrmaschinen-Simulator 2011 nicht. Bei der Bedienung der Bürstensysteme fühlte ich mich anfangs etwas überfordert, was sich dank meiner ausgedruckten Befehlssammlung aber schnell änderte. Abschließend erläutert uns das Tutorial noch, wie man den Wassertank auffüllen und die Schmutzbehälter entleeren kann - und nur nicht verwechseln.


Sauberhausen - von wegen: Schmutz wohin man schaut
Diesen Satz hört man wohl eher von geplagten Müttern pubertärer Teenager, doch passt er auch gut nach Sauberhausen - übrigens ein fiktiver Stadtname, der wohl auch den letzten Zweifel bereinigen soll, dass es sich hierbei um ein Spiel handelt, welches sich mit der Reinigung einer städtischen Ansiedlung befasst - nun ja. Die Stadt Sauberhausen ist überraschend umfangreich, per Karte kann man sich eine Übersicht über die verschiedenen Areale verschaffen. Neben dem Innenstadtbereich gibt es auch Außenbezirke mit Wohngebieten, Industrie- und Messegelände sowie einer Stadt-Autobahn.


Gameplay - Und täglich grüßt die Kehrmaschine ...
Im Laufe der Zeit erledigt man Auftrag für Auftrag und relativ schnell kann man den eigenen Fuhrpark erweitern. Neue Fahrzeuge vereinfachen die Arbeiten bzw. ermöglichen größere Flächen in kürzerer Zeit von Schmutz zu befreien. Die Bedienung bleibt zumeist gleich und im Grunde ändert sich nur der Ort, an dem die Reinigung stattfindet. Mal auf dem Messe-Parkplatz den groben Dreck entfernen, am zentralen Platz in der Innenstadt die Fugen polieren oder den Standstreifen der örtlichen Autobahn feucht durchwischen, da bleibt Langeweile dann leider doch nicht aus.

Die fehlende Langzeitbegeisterung vermisse ich wohl am meisten, dabei hat man sich bei den Fahrzeugen, deren Steuerung und komplexer Bedienung so viel Mühe gegeben. Auch die Stadt wirkt gut, belebt von jeder Menge Fußgängern und funktionierendem Verkehr. Doch fehlt es zum einen an der KI und zum Anderen an speziellen Ereignissen, die den Spielablauf aus dem gewohnten Trott werfen. Ich frage mich, wofür meine Fahrzeuge mit Scheibenwischern ausgestattet sind, wenn in Sauberhausen nie ein Tröpfchen Regen fällt. Auch ein Radio finde ich in meinem Vehikel, aber leider bleibt es stumm - ob mein Chef wieder die GEZ-Gebühr verschnarcht hat? Moment, bin ich hier nicht der Chef?


KI - Der Sauberhausener an sich
Was dem Ganzen nicht besonders zuträglich ist, ist das Fehlen von Ereignissen abseits des Standards. Auf der Autobahn den Standstreifen reinigen klingt nach einer schweißtreibenden, von Adrenalin gepeitschten Arbeit, doch die Sauberhausener Autofahrer folgen stummschweigend meiner dahintuckelnden Kehrmaschine - kein Hupen, keine Beleidigungen, nichts. Mitten in der Innenstadt die Bordsteinkante fegen, da kann es schonmal stauben oder die Wasserdüsen verpassen den Passanten eine ungewollte Abkühlung, doch auch hier sind die Einwohner Sauberhausens geduldig. Bei einem Wendemanöver habe ich sogar versehentlich einen Passant leicht touchiert - ratet mal ... keine Reaktion. Über eine rote Ampel gefahren? Na und, mit dem Gesetz sieht man es hier nicht so ernst und außerdem ist die durch mich gesteuerte, anonyme Marionette ja auch bei der Stadtreinigung, die dürfen das.


Grafik - Überragende (Licht-)Effekte bei Nachteinsätzen
Die TML Studios zeigen natürlich auch, dass sie erprobt sind mit der Gestaltung digitaler Abbilder, so zeichnet sich das Studio verantwortlich für diverse U-Bahn-Simulatoren (haupstächlich Erweiterungspakete für Microsoft Train Simulator - MSTS), den City Bus Simulator - New York und die virtuelle Tauchfahrt zu den versunkenen Überresten des Luxus-Liners Titanic im entsprechenden Tauchfahrt-Simulator.

Grafisch liefert der Kehrmaschinen-Simulator 2011 tatsächlich weitaus bessere Egebnisse als ich vermutet hatte! Die Texturen sind größtenteils vernünftig gelungen, Schattenffekte sind gut und das Stadtgebiet im vollen Umfang realitätsgetreu umgesetzt. Die meiste Mühe hat man zweifelsohne in die Fahrzeuge investiert und dabei sehr gute Arbeit geleistet. Betrachtet man die detailliert nachempfundenen Bürsten-Aufsätze, die per Pneumatik ausgefahren werden, Wasserdüsen gegen hartnäckigen Schmutz, passende Scheinwerfer jeglicher Art und verstellbare Spiegel, da kann man nichts sagen. Ein Schadensmodell und eine teilweise etwas mehr bevölkerte Stadt hätten allerdings nichts geschadet. Gelegentliche Physik-Aussetzer stören den Spielbetrieb höchstens aus visueller Sicht.

Ein größeres Problem an der Grafikengine könnte die erforderliche Rechenleistung werden. Kein Spaß, Simulator-Freunde mit betagten Rechnern sollten vor dem Kauf von Kehrmaschinen-Simulator 2011 besser die Mindestanforderungen durchgehen, unter dem Minimum sollte man nicht liegen. Ansonsten bekommt man es mit piepsenden Grafikkarten und gelähmten Arbeitsspeicher zu tun. Wer die Anforderungen aber erfüllt kann sich an einer sehr starken Grafik erfreuen, die kaum Details offen lässt.


Sound - Die Akustik der Kehrmaschine an sich
Es brummt, es surrt, es gluckert, es tuckert. Es zischt, es heult, es pfeift und schrubbt. Die Betriebsgeräusche der Fahrzeuge klingen sehr gut, vermutlich wurden auch sie von Original-Vehikeln der Straßenreinigung aufgezeichnet. Die "Hintergrundmusik" ist dagegen etwas nervtötend, ein Lied in Dauerschleife zu hören lässt selbst den abgehärtesten Straßenmeisterei-Arbeiter irgendwann das Tuch werfen. Die fehlende Sprachausgabe ist zwar noch irgendwie verschmerzbar, hätte dem Spiel aber keinesfalls geschadet.

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Trailer:

Fazit
Mit einer der Kehrmaschinen seine Runden zu drehen ist sicherlich nicht jedermanns Sache, ähnlich verhält es sich aber auch mit Bus-, Eisenbahn-, Schiff- und Flugsimulatoren. Vor allem in Zeiten, in denen die Simulator-Flut kaum Grenzen kennt bekam das Genre für viele sicherlich einen faden Beigeschmack. Wer sich aber für die Technik und die Umsetzung hinter Sumlatoren begeistern kann, der hat mit dem Kehrmaschinen-Simulator 2011 tatsächlich mal einen sehr solide gestalteten Ableger der guten Sorte gefunden! Was mich beeindruckt hat ist die Detailliertheit der Vehikel, das Einstellen diverser Seitenspiegel sowie das Zuschalten der Hinterachsenlenkung kann dem geneigten "Simulanten" durchaus ein Lächeln entlocken. Natürlich gibt es an manchen Ecken auch Mängel im Spiel; unerklärliche Abstürze, fehlender Wetterwechsel, keine Sprachausgabe sowie der realitätsferne Umgang der Sauberhausener lässt noch jede Menge Spielraum nach oben für den Kehrmaschinen-Simulator 2012! Nach mehreren Stunden Straßenreinigung muss ich dann aber doch zugeben, dass dies keine Berufswahl für mich gewesen wäre - die Monotonie holt einen schnell ein und da kann auch ein voller Schmutzbehälter nichts dran ändern.

Dennoch, der Kehrmaschinen-Simulator 2011 ist und bleibt einer der grafisch und technisch stärksten Simultoren im Genre aktuell.

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