Bayonetta

SSG Meinung
Bayonetta ist bestimmt vieles, aber sicher nicht gewöhnlich. Das wird einem schon in den ersten Minuten des neuen Spiels von Devil May Cry-Schöpfer Hideki Kamiya schnell klar. Sicher, Bayonetta bedient sich vom Gameplay her ähnlicher Elemente wie DMC, ist aber unterm Strich ein durchaus eigenständiges und beachtenswertes Spiel. Doch eins nach dem andern. Als letzte Überlebende des Umbra-Hexenclans ist die titelgebende Heldin Bayonetta nicht nur von Gedächtnisverlust geplagt, sie wird zudem auch noch englesartigen Wesen gejagt, die aber eher einem Alptraum entsprungen zu sein scheinen als dem Paradis. Somit steht ihr beim Kampf Himmel gegen Hölle auf der eher ungewohnten Seite, was aber durchaus zu dem abgedrehten Setting mit seiner schon fast absurden Story passt. Während Bayonetta im Verlauf der Geschichte ihr Gedächtnis nach und nach zurückerlangt, trifft sie neben ihren Gegnern auch einige, ihr mehr oder weniger freundlich gesonnenene Nebencharaktere wie den Waffenhändler Rodin, wird teiler einer recht platten Liebesgeschichte und darf sich eines kleinen Mädchens annehmen, welches stark an sie selbst erinnert. Unterm Strich ist Story sicher nicht die stärkste Seite des Spiels und besticht eher auch durch ihre seltsamen Schauplätze und Charaktere als durch ein gut geschriebenes Script.
Nachdem man mit Bayonetta den ersten Kampf überstanden hat, ist aber auch schon klar, daß der Fokus des Spiels auf seinem fantastischen Action-Gameplay liegt. Hinter der auf dem Bildschirm stattfindenden Reizüberflutung verbirgt sich nämlich ein ausgeklügeltes, gut kontrollierbares Kampfsystem mit spannenden Combos, Spezialattacken mit diversen Waffen und spektakulären Finishing-Moves. Standardmäßig zieht Bayonetta dabei mit Fausthieben und Tritten sowie Pistolen an allen vier Gliedmaßen in den den Kampf, im Verlauf des Spiels finden sich aber immer mehr Waffen, wie z.B. eine Schrotflinte oder ein Katana, welches über eigene Spezialattacken verfügt. Auch die zum Teil riesigen Waffen der erlegten Gegner lassen sich für kurze Zeit nutzen. Landet man eine bestimmte Anzahl an Treffern, lassen sich die Himmelboten dann per besonders fieser und toll animierter Torture-Attacks über den Jordan schicken. So offensiv sich das Gameplay auch gestalten mag, nur durch Button-Mashing wird man nich ans Ziel gelangen. Hierfür haben sich die Designer auch einen tollen Kniff einfallen lassen: die sogenannte Witchtime. Weicht unsere Hexe im letzten Moment einem gegnerischen Schlag aus, aktiviert sich ein Zeitlupen-Modus, in dem man sein gegenüber gemütlich vertrimmen kann, sodaß auch defensives Spielen durchaus belohnt wird. Auch wenn das Geschehen auf dem Bildschirm einen zunächst rein optisch überfordern mag, die Handlungen bleiben stehts nachvollziehbar und schon nach kurzer Eingewöhnungszeit gehen einem auch Spezialattacken gut und geplant von der Hand. Der Aufbau der Levels ist ansonsten sehr linear gehalten: Der Weg ist zum größten Teil vorgegeben, auf selbigem verdrischt man einen Haufen Gegner, daraufhin gibt es eine Belohnung und eine Cutscene. Allerdings fällt dieser lineare Aufbau nicht wirklich störend auf, im Gegenteil, er ist dem ohnehin flotten Spieltempo eher zuträglich. Eher selten sind in Bayonetta Qucktime-Events, die einen aber eher selten vor Probleme stellen, im Gegensatz zu den teils wirklich gigantisch großen Endbossen, welche in späteren Levels dann einfach als Zwischengegner auftauchen. Grafisch ist Bayonetta wie gesagt eine Geschichte für sich. Man muß den Stil mit seiner nicht ganz ernst zu nehmenden Sexualisierung sicherlich mögen, kann dem Spiel aber davon unabhängig seine visuelle Eigenständigkeit sicher nicht absprechen und wird sich auch noch in der Zukunft daran erinnern. Bunt, schnell und groß sind die ersten drei Begriffe, die mir als passendste Beschreibung einfallen. Mit welcher Detailverliebtheit und vor allem Extravaganz die diversen Figuren und Levels gestaltet wurden ist aber definitv einen Blick auf das Spiel wert. Auch in Sachen musikalischer Untermalung geht Bayonetta mit seiner Mischung aus Pop, Jazz und Fahrstuhl-Musik einen eigenen Weg, den man nicht zwingend mögen muß, aber durchaus zum Flair des Spiels passt. Lediglich in Sachen Voice-Acting hätte ich mir ein wenig mehr Hingabe der Sprecher gewünscht. Zum Abschluß möchte ich noch kurz auf die oft angesprochenen Probleme der PS3-Version bezüglich Ladezeiten, Framerate-Einbrüchen und verwaschener Texturen eingehen: Zwar konnte ich die Xbox-Version leider noch nicht persönlich testen, die Ladezeiten sind aber zumindest nach der optionalen Festplatteninstallation nicht wirklich störend lang und auch Framerate-Einbrüche konnte ich nur selten feststellen. Und ohne den direkten Vergleich sieht Bayonetta auch auf der PS3 immer noch sehr farbenfroh und detailreich aus. Somit bleibt Bayonetta auch für Gamer, die nur eine PS3 ihr Eigen nennen durchaus ein lohnenswertes Spiel. Für Besitzer beider Next-Gen-Konsolen lohnt sich aber vor dem Kauf sicher ein Vergleich.Herstellerangaben einblenden






