Castlevania - Lords of Shadow

SSG Meinung
Franchise-Reboots findet man ja sowohl in der Film- wie auch Videospielewelt zurzeit nicht gerade wenige. Unter den Fittichen von Metal-Gear-Produzent Hideo Kojima transportiert nun das Team von Mercury Steam die Peitschenschwinger-Reihe Castlevania in die bisher wenig glückbringende dritte Dimension. Immerhin wird zur besseren Unterscheidung nicht, wie bei vielen anderen Reboots, auf einen Untertitel verzichtet und so trägt die Reinkarnation der Serie den düsteren Beinamen "Lords of Shadow". Dürfen sich die pflocktreibenden Fans nun endlich über ein klassisches und zugleich zeitgemäßes Castlevania auf den Next-Gen-Konsolen freuen? Ihr übernehmt in Lords of Shadow die Rolle von Gabriel Belmont, Anhänger der Bruderschaft des Lichts und damit Verteidiger gegen die dunklen Mächte, die in Form der Herrscher der Schatten und ihrer Untertanen nicht nur eine Gefahr für die Welt bedeuten, sondern auch Gabriels Frau ermordet haben. Mit den Kräften der Herrscher der Schatten und einem mächtigen Artefakt, dessen Teile die Lords of Shadow unter sich aufgeteilt haben, hofft Gabriel nicht nur dem dunklen Treiben ein Ende zu bereiten, sondern auch seine Geliebte von den Toten zurückzubringen. Die Story an sich ist spannend erzählt, präsentiert interessante Charaktere und hält den Spieler mit einigen (wenn auch vorhersehbaren) Wendungen sowie einem wirklich tollen Epilog bei Laune, der schon verheißungsvoll auf eine mögliche Fortsetzung bzw. DLCs hindeutet. Einen inhaltlichen Anschluss oder Zusammenhang mit den bisherigen Teilen der Serie sollten Fans hingegen nicht erwarten.Castlevania lebt in dieser Form neben der Story von seiner stimmigen Atmosphäre mit wunderschönen und teils atemberaubenden Schauplätzen, allerdings findet man sich nur selten in der titelgebenden Burg, sondern viel mehr in Wäldern, Ruinen und abstrakten Zwischenwelten wieder. Grafik und Sound befinden sich hierbei auf einem sehr hohen Niveau, vor allem für die englische Sprachausgabe wurden Top-Schauspieler wie Robert Carlyle und Enterprise-Captain Patrick Stewart verpflichtet, die der Produktion eine noch höhere Qualität verleihen. In den fantasievollen detaillierten Welten kann man sich bei wunderschön komponierter Musik mit teils bekannten Themen fast schon verlieren, leider häufig auch deswegen, weil sich ein Hintergrund mit unsichtbarer Wand nicht vom eigentlich begehbaren Weg unterscheiden lässt. Dies sorgt, vor allem in Kombination mit Platforming-Elementen, immer wieder für Frustmomente, da man ungewollt in den Tod springt oder schlicht und einfach den Weg durch den Level nicht findet. Eine Übersichtskarte und eine frei bewegliche bzw. besser eingestellte Kameraführung wären an einigen Stellen Gold wert.
Als Ausgleich für die kleinen Unzulänglichkeiten bietet Castlevania ein ausgezeichnetes und durchdachtes Kampfsystem, welches sich konstant während des Spielverlaufs weiterentwickelt, sodass bei den Kämpfen nie wirklich Langeweile aufkommt. Zunächst kommen einem aufgrund des an einer Kette befestigten Kampfkreuzes schnell Vergleich zu God of War in den Sinn, die bezüglich des Gameplays auch grundsätzlich gerechtfertigt sind. Allerdings verfügt Lords of Shadow trotzdem über ein eigenständiges System, das sich vor allem durch die zuschaltbare Licht- und Schattenmagie von dem anderer Spiele unterscheidet. Lichtmagie sorgt dabei für die Regeneration von Lebensenergie, während die Schattenmagie es Gabriel ermöglicht mehr Schaden auszuteilen. Bei aktivierter Magie lassen sich zudem spezielle Combos anwenden, die wie viele andere Moves aber zuerst im Tausch gegen Erfahrungspunkte erlernt werden müssen. Abgerundet wird das Gameplay durch die Fähigkeit Monster zu reiten, um sich gegen Gegnermassen zur Wehr zu setzen, vor allem aber auch, um Türen zu öffnen oder Hindernisse zu überwinden.
Der Schwierigkeitsgrad ist dabei nicht ganz ohne, man muss sich wohl nicht schämen - besonders im Hinblick auf einige Bosskämpfe - den Schwierigkeitsgrad für einige Levels zu senken. Lediglich die Kämpfe gegen die übergroßen Titanen dürften etwas spannender sein als das bloße Auswendiglernen und Abhüpfen eines vorgegebenen Wegs. Grundsätzlich lohnt es sich aber für Trophäenjäger und Itemsammler, die Levels auch mehrmals anzugehen, um alle Geheimnisse zu entdecken und alle Challenges zu meistern. Für Abwechslung sorgen immer wieder eingestreute Puzzles, deren Einfallsreichtum und Unterhaltungswert von nett bis nervig reicht. Wer bereit ist ein paar XP zu opfern, kann die Denkspiele aber allesamt direkt überspringen. So bietet einem Castlevania - Lords of Shadow von der Story her eine durchschnittliche Spielzeit von 15 bis 20 Stunden bei hohem Wiederspielwert.
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