The Darkness II

SSG Meinung
...und dann kam die Dunkelheit.
"Ich wollte die Darkness nicht, die Darkness wollte mich!" lamentiert Hauptprotagonist und Mafia-Oberhaupt Jackie Estacado im aktuellen TV-Spot. Tja, und plötzlich hat man die Dunkelheit in seinem Innersten verankert und bleibt trotzdem nicht davon verschont, sich das täglich Brot mit Gangstergeschäften zu erwirtschaften. Doch so ein bisschen Dunkelheit hat auch seine Vorteile und mit solch rabiaten "Argumenten" im Gepäck folgt so mancher Gegner willenlos den Anweisungen- scheint als wäre die Darkness ein Angebot, das man nicht ablehnen kann...
Story
Vom Tellerwäscher zum Millionär, der amerikanische Traum. Jackie Estacado hat sich zum Mafiaboss etabliert, doch er hat ein paar ganz spezielle Tricks auf Lager, die ihm dabei geholfen haben. Jackie verfügt über übernatürliche Fähigkeiten, was für Spieler des ersten Teils natürlich alles ein alter Hut ist. Nur nochmal kurz für all diejenigen, die Teil 1 aus welchen Gründen auch immer verpasst haben sollten: Jackie's Freundin Jenny wurde von einem fiesen Über-Dämon aus der Welt der Lebenden entrissen und Jackie musste sich das Dilemma auch noch willenlos mit ansehen. Es folgte ein wilder Trip in die Unterwelt, immer bemüht, dem Dämon auf der Fährte zu bleiben. All die hierbei erlebten Grausamkeiten führten dazu, dass unser Hauptdarsteller die Dunkelheit tief in seiner Seele verborgen hat und versuchte, ein ganz gewöhnliches Leben als Mafiosi zu fristen.
Doch aktuelle Geschehnisse machen Jackie nun zu dem, was er die vergangene Zeit unterdrückt hat: Besessen von der Dunkelheit, ein rastloser und rabiater Kämpfer gegen die Unterweltler, die -wie sollte es auch anders sein- alle nicht uninteressiert sind an der "Macht der Dunkelheit". So auch der fiese Blutsauger Victor Valente, der eine ganze Bruderschaft anführt, die nicht gerade für ihre gemütlichen Ausflüge zur Brauereibesichtigung bekannt sind. Der Geheimbund ist eher seit jeher drauf und dran die Dunkelheit zu beherrschen, was wiederum den Bogen zu Jackie schließt, der sich den Abend in weiblicher Gesellschaft zu Beginn des Spiels sicherlich anders vorgestellt hatte… Aber wenigstens hat bei dem Angriff die Dunkelheit wieder die Chance ans Tageslicht befördert zu werden und die kuriose Achterbahnfahrt kann auf ein Neues beginnen.
Gameplay
Entscheidender Faktor in einem Shooter sind zweifelsohne die Waffen. Und in The Darkness 2 hat man es teilweise mit ziemlich abgefahrenen Utensilien zur Gegner-Beseitigung zu tun. Allen voran die beiden Schlangenarme, die Jackie aus dem Rücken wachsen. Mit vier Armen kann man direkt den doppelten Schaden anrichten, mit den „menschlichen“ Extremitäten wird geballert was das Zeug hält während Arm 3 und 4 um sich schnappen, Gegenstände werfen oder Widersacher anreißen. Die linke Hälfte hält uns die Gegner aus der Ferne vom Leib während sich der rechte Teil beim Nahkampf als äußerst nützlich erweist und durch verschiedene „Finishing Moves“ den Gegner ins Nirvana katapultiert. Sauberes Konzept… und wer wischt den Boden auf? Die Bedienung der Tentakel und menschlichen Arme ist besser umgesetzt als gedacht, keine Spur von extrem-hakeligen Kombinationen, die den Spieler überfordern. Gut, es dauert ein wenig sich an das Prinzip zu gewöhnen, dann aber läuft’s!
Und wenn’s läuft, dann hagelt es auch Punkte, die man für erledigte Widersacher kassiert. Diese Punkte lassen sich dann wieder in einem Upgrade-Menü verwenden um Jackie’s Fähigkeiten zu steigern oder das (überschaubare) Waffenarsenal aufzupeppen. Wer lieber bisschen „Magie“ ins Spiel bringen mag –meine Pen&Paper-Wurzeln sind eben immer noch rauszuhören…-, der darf auch in übernatürliche Kräfe investieren, hier hilft die Darkness mit dämonischen Kräften kräftig nach, wändedurchbohrende Kugeln und fiese Höllen-Fliegen sind hier nur ein Beispiel für den Krieg fernab alldem, was Mafiosis sonst so an Mitteln auffahren.
Als die Dunkelheit seine Schatten im ersten Teil über uns erstreckte gab es auch viele Lichtblicke, so beeindruckte zum Beispiel die sehr offen gehaltene Spielwelt, in der Nebenmissionen angenommen und mit anderen Figuren kommuniziert werden konnte. Diese Aspekte wurden leider sehr stark gestutzt und lediglich zwischen den Ballereien kann man eine kurze Auszeit in Jackie’s Penthouse verbringen. Schade, wir mochten das ungezwungene Umherwandern in Teil 1 und das Gefühl, der Dunkelheit auch mal entfliehen zu können.
Etwas ärgerlich ist auch die Tatsache, dass man Jackie’s Abenteuer erstmal bis zum bitteren Ende durchspielen muss –was aber wiederum nur ca. 5 Stunden in Anspruch nimmt- bis man einzelne Kapitel erneut anspielen kann. Es existiert nämlich nur ein Speicherslot, der mit jedem Autosave überschrieben wird- aber uns wurde ja vorab gesagt: Es gibt kein Zurück… und noch mal Spielen ist nach dem ersten Komplettieren von The Darkness 2 dann ohne Weiteres möglich.
Optik
Um dem Comic, der als Vorlage für den Titel gilt, gerecht zu werden wurde auf „Cel-shaded Animation“ zurückgegriffen, diese verleiht dem Spiel durch Stilelemente wie Zeichenstift-Linien und gedecktere Farben einen Grafic-Novel-Look der auch Fans der Sprechblasen-Fraktion überzeugt. Insgesamt wertet der Comic-Style den Auftritt der soliden Optik noch mal ein gutes Stück auf und sorgt für die nötige Atmosphäre. Auch bei Lichteffekten und düsteren Schatten hat man sich sehr viel Mühe gegeben- sonst wäre es ja auch nicht The Darkness…
Sound
Obwohl die deutsche Synchronisation über viele andere Titel erhaben und sehr gut umgesetzt ist bin ich 2K Games und Digital Extremes überaus dankbar dafür, dass auch der englische Ton aktiviert werden kann. Insgesamt kann man hier nur beide Daumen hochhalten für absolute Detailverliebtheit und Hingabe zum Produkt! Die musikalische Untermalung passt sprichwörtlich wie die Faust auf’s Auge und transportiert die Dunkelheit auch ein Stück weit in den Spieler- ich bin begeistert!
Schnittmuster
Dass die Methoden der Mafia nicht immer unbedingt, nun ja, „gesellschaftstauglich“ sind ist vermutlich nichts Neues, doch das klassische Füße-einbetonieren-und-im Fluß-versenken wirkt im Angesicht der Darkness-Machenschaften wie ein Kindergeburtstag mit bunten Luftballons- das Entwicklerteam Digital Extremes schreckt vor unversteckter Brutalität nicht zurück und zeigt ziemlich schonungslos, wo in Sachen finsterer Action-Shooter der blutige Hammer hängt. Trotz der FSK18-Freigabe kam aber auch The Darkness 2 nicht ungeschont davon, hier wurde mächtig geschnitten! Im Vergleich zur internationalen Version des Titels müssen deutsche Spieler auf Spielelemente wie Ragdolls, Verstümmelungen und sichtbare Wunden an den Körpern der Gegenspieler verzichten. Auch in Sachen „Erotikfaktor“ wurde gekürzt, Szenen die den Liebesakt zeigen, bekommt man hier nicht zu sehen. Schlussendlich hat man auch die Anzahl an im Spiel enthaltenen Hinrichtungen reduziert. Inwieweit dies den Einzelnen davon abhält diese Tour-de-Force durchzuspielen muss wohl jeder selbst entscheiden- doch auch in der Cut-Version kann The Darkness 2 an anderen Punkten als explizite Gewaltdarstellung punkten.
Koop - Du bist nicht alleine…
Das vielleicht nicht, aber dennoch entschädigt der sehr schmächtige Online-Modus leider nicht für die kurze Spielzeit. Vier Spieler können parallel gegen Gegnerhorden antreten und man hat sich auch die Mühe gemacht einen kleinen Nebenstrang zur Mainstory zu liefern um dem Gemetzel eine Art Gesicht zu verleihen. Dennoch springt der Funke nicht über, zu monoton und wenig abwechslungsreich bleibt das schlichte Geballer, von Team-Atmosphäre nichts zu spüren- nachdem auch das Deathmatch aus Teil 1 weggekürzt wurde bleibt uns hier wohl nur die Dunkelheit.
Fazit
Der Ego-Shooter The Darkness 2 von 2K Games und Digital Extremes fährt erneut jede Menge abgefahrene Action auf, die an vielen Stellen sprichwörtlich „unter die Haut“ geht. Zugegeben, die FSK-Verstümmelung macht sich hier und da bemerkbar, doch besticht dieser Titel durch mehr als Brutalität. Eine solide Story, coole Optik, ein gelungener Soundtrack und absolut stimmig umgesetzte Atmosphäre lassen so manch fehlenden Blutspritzer vergessen. Schade ist, dass dieses Vergnügen schon nach 5 Stunden vorbei ist, da kann auch der etwas tröge Koop-Modus nur bedingt trösten. Insgesamt empfiehlt sich aber, vor allem auch für Fans des ersten Teils bzw. des Genres, diese abgedrehte Reise mit Jackie anzutreten- und niemals vergessen: Die Dunkelheit wird kommen und sie wird euch finden, ihr könnt euch nicht verstecken…
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