Final Fantasy XIII-2

SSG Meinung
Final Fantasy XIII hat das Lager der JRPG- und vor allem der Final-Fantasy-Fans gespalten: Den langjährigen Fans der Serie war das Spiel mit seinen Schlauchlevels zu linear, zudem fehlte ein zeitunabhängiges rundenbasiertes Kampfsystem. Mit toller Action durch das Active-Time-Battle-System (ATB), einer spannend erzählten Story inklusive vieler brillant gerenderter Cutscenes und einem exzellenten Produktionsniveau machte sich FF XIII aber auch durchaus viele Freunde. Und so wartete man gespannt, was Square Enix den Fans nach dem MMORPG-Flop Final Fantasy XIV mit dem PS3-exklusiven Final Fantasy Versus XIII, von dem nur wenige Details und Videoschnipsel bekannt waren und immer noch sind, vorsetzen würde. Umso größer war die Überraschung, als dann Final Fantasy XIII-2 angekündigt wurde und nun auch tatsächlich vor Versus XIII veröffentlicht wurde. Nun rotiert die entsprechende Blu-Ray in der PS3 und es stellt sich die Frage: Lauwarmer Ausguss, gelungene Evolution oder gar Wiedergutmachung für die Fans von Final Fantasy VII?
In Sachen Hintergrundgeschichte setzt FF XIII-2 im Vergleich zum Vorgänger noch mal einen drauf. Zwar dreht sich die Geschichte primär nur noch um zwei Charaktere, Lightnings Schwester Serah und ihrem Begleiter Noel, dafür ist ihre Aufgabe umso größer und wichtiger: Sie müssen mittels Portalen, dazugehörigen Artefakten und der Chronosphäre durch die Zeit und in Parallelwelten reisen, um die richtige Geschichte - beziehungsweise den korrekten Zeitstrang mit den Ereignissen aus FF XIII - wiederherzustellen. Denn Serah ist die einzige, die sich noch daran erinnern kann. Da Lightning im aktuellen Zeitfluss nicht mehr existiert, sondern in einer anderen Welt namens Valhalla gegen den Bösewicht Caius kämpfen muss, ist Serahs Motivation umso größer. Lightning schickt ihr netterweise den Jäger Noel Kreiss aus der Zukunft zur Unterstützung. Und einen kleinen nervigen Moogle namens Mog, der bei Bedarf Anomlaien erklärt, Schätze aufspürt oder sich in Serahs Waffe verwandelt. So weit, so verwirrend. Parallelwelten und Zeitreisen machen die Story zwar durchaus spannend und bieten einige Überraschungen, der eigentliche Plot tritt aber im Vergleich zu FF XIII stärker in den Hintergrund. Hinzu kommt, dass sie besonders für Spieler ohne Kenntnis des Vorgängers an vielen Stellen kaum nachvollziehbar sein dürfte, auch wenn die Geschichte des vorangegangenen Teils als erzähltes Nachschlagewerk ins Menü eingebaut wurde. Ansonsten ist die Geschichte - typisch für Final Fantasy - recht cheesy und überzogen, macht aber besonders deswegen auch Laune, auch wenn man sich bei manchen Konversationen an den Kopf greifen wird. Eine Geschichte à la Witcher 2 oder Skyrim sollte man sich auf alle Fälle nicht erwarten. Die unterschiedlichen möglichen Enden sind zum Teil leider sehr offen gestaltet, was den Spieler ein wenig unbefriedigt zurückblicken lässt. Ob die Geschichte(n) dann in herunterladbaren Inhalten oder gar in einem Final Fantasy XIII-3 zu Ende erzählt werden, ist aktuell noch nicht ganz klar. Klar ist dagegen, dass man während des Abspanns das Geschäftsmodell von Square Enix bezüglich der FF-Reihe anzweifeln dürfte.
Wenn man über da Gameplay spricht, spricht man automatisch auch über einen der größten Kritikpunkte am Vorgänger: Das Kampfsystem namens Active Time Battle (ATB). Gleich vorweg sei gesagt, wer ein Oldschool-Final-Fantasy mit tiefen rundenbasierten Kämpfen und unbegrenzter Zeit erwartet und zudem nichts mit actionlastigen Kämpfen anfangen kann und will, sollte um dieses Spiel einen weiten Bogen machen. Zwar ist auch das ATB-System grundsätzlich rundenbasiert, allerdings läuft die Zeit unerbittlich weiter und die Auto-Battle-Funktion nimmt einem auf Wunsch einen Großteil der strategischen Arbeit ab, die richtige Befehlsreihenfolge im ATB-Balken für den Anführer (und nur diesen) auszuwählen. Stattdessen beschränkt man sich in den durch exaktes Timing geprägten Fights darauf, die aus FF XIII bekannten Paradigmen, quasi die Rollenfertigkeiten der einzelnen Charakter und damit die strategische Ausrichtung eurer Gruppe, zum richtigen Zeitpunkt zu wechseln beziehungsweise euren Gegnern anzupassen. Positiv fällt auf, dass diese Rollenwechsel nun deutlich flüssiger funktionieren als im letzten Teil. So lässt sich blitzschnell von einem Brecher, der physischen Schaden austeilt und zwei Verheerern, die mit schnellen magischen Angriffen den Schockbalken nach oben treiben und den Gegner so verwundbarer machen, auf einen Tank und zwei Heiler umschalten.
Wer aufgepasst hat, fragt sich sicher: Und wer ist neben Serah und Noel das dritte Gruppenmitglied? Gibt es ein Wiedersehen mit alten Freunden? Ja, gibt es - aber nicht als Bestandteil eurer Gruppe. Hier haben als Neuerung nun Monster Einzug erhalten. Ihr habt bei euren Kämpfen immer eine gewissen Chance, eurer Gegenüber in Form eines Kristalls zu erobern und eurer Sammlung von maximal rund 100 Monstern hinzuzufügen. Drei davon lassen sich als drittes Gruppenmitglied einsetzen und über die Paradigmenwechsel rotieren. Das ist zunächst gewöhnungsbedürftig, da sich die Monster aber - wie auch Noel und Serah - zu vollwertigen Gruppenmitgliedern mit eigenen Spezialangriffen hochleveln lassen, packt einen schon bald die Sammelwut und man begibt sich auf die Suche nach den seltensten und stärksten Monstern. Apropos Hochleveln: Was bei den Monstern über verschiedene Materialien möglich ist, geschieht bei den Hauptcharakteren klassisch über Erfahrungspunkte. Das Levelsystem in Form des Chrystariums wurde im Vergleich zum Vorgänger stark vereinfacht (es gibt nur noch einen linearen Baum für alle Rollen), was aber zunächst für Verwirrung sorgen kann und einen verunsichert, ob man seinen Charakter gerade nicht komplett verskillt hat. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Zurücksetzen des Fertigkeitenbaums nicht möglich ist. Man stellt aber im Spielverlauf nach einiger Zeit fest, dass der Einfluss der gewählten Fähigkeiten zwar durchaus spürbar ist, der Schwierigkeitsgrad bis auf einige Ausnahmen wie späte Bossfights aber nie wirklich auf ein besonders anspruchsvolles Niveau anzieht. Kurz gesagt: Wenn man seine Charakter brav pflegt und hegt, genügt bei vielen regulären Kämpfen stupides X-Hämmern ohne Paradigmenwechsel und die Gegner fallen um wie die Fliegen.
Auch was die Kämpfe angeht, gibt es neues beziehungsweise altes zu vermelden: Die Zufallskämpfe sind zurück! Man läuft gemütlich durch die nun wieder viel offeneren Landschaften und Wuuuuusch wird man hinterrücks überfallen - hat aber dank der Mogclock, auf Deutsch eines herunter zählenden Zeitfensters, die Möglichkeit, einen Präventivschlag auszuführen oder sich aus dem Staub zu machen. Auch hier dürfte das Fanlager über Sinn und Unsinn gespalten sein; immerhin kann man dank Chocobos Kämpfen gänzlich aus dem Weg gehen. Auch darüber hinaus war das Entwicklungsteam nicht ganz untätig und hat sich Gedanken gemacht, wie man den Spielablauf abwechslungsreicher gestalten kann. Dabei herauskommen sind diverse Knobelspiele, bei den man Zeitanomalien durch das geschickte Verbinden von Kristallen oder einstellen von Uhrzeigern auflösen muss, sowie klassische Quizspiele mit Fragen rund um die Welt von Final Fantasy XIII und XIII-2. Alternativ kann man sich die Zeit auch mit Chocoborennen oder Mooglewerfen vertreiben, um Geld oder seltene Items und Monster zu gewinnen. Auch bei den nicht mehr ganz so zahlreichen Zwischensequenzen kann man sich nicht mehr gemütlich zurücklehnen: Final Fantasy XIII-2 hat die Quicktime-Events für sich entdeckt. Als ob das nicht schon genug Neuerungen wären, darf man jetzt während Unterhaltungen sogar verschiedene Antworten auswählen - Mass Effect lässt grüßen.
Die technische Umsetzung bewegt sich im Großen und Ganzen ziemlich genau auf dem Niveau des Vorgängers, das sicher kein schlechtes war. Die Grafikengine ist dieselbe, doch trotz eines allgemein sehr hohen Detailreichtums wirken manche Gebiete und Charaktere nicht ganz so liebevoll wie die von FF XIII. Zudem kommt es gelegentlich zu leichtem Ruckeln, wenn viele Objekte oder Effekte auf dem Bildschirm dargestellt werden. Alles in allem muss sich XIII-2 aus grafischer Sicht aber nicht verstecken. Musikalisch präsentiert Square Enix dem Spieler einen bunten Mix von J-Pop mit flotten Beats bis hin zu Metal-Tracks mit wüstem Geschrei. Meist hält sich der Soundtrack vornehm im Hintergrund, ohne dabei zu nerven, aber auch ohne besonders positiv aufzufallen. Die Effekte hingegen sind über jeden Zweifel erhaben und dröhnen wuchtig aus den Lautsprechern.
Fazit:
Square Enix hat mit FF XIII-2 den sicheren Mittelweg gewählt. Das Spiel bewegt sich in ganz anderen Sphären als klassische FF-Titel, bietet aber zahlreiche Verbesserungen im Vergleich zum direkten Vorgänger - wer also FF XIII mochte, kann und sollte hier blind zugreifen. Den alteingesessenen Retro-Fans kann es Square Enix trotz vieler gut gemeinter Details wie Zufallskämpfen und Chocobo-Rennen auch in dieser Form sicher nicht recht machen. Vielleicht ist FF XIII-2 kein klassisches Final Fantasy - dank durchdachtem actionlastigem Kampfsystem und abwechslungsreichem Spielverlauf ist es aber ein unterhaltsames Spiel, das den Namen Final Fantasy zu Recht trägt, ein wenig Unvoreingenommenheit auf Spielerseite vorausgesetzt.
Herstellerangaben einblenden








