Brütal Legend
Verfasst von Gargoyle am Do, 30/07/2009 - 14:02
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Redakteur: Gargoyle

Erscheinungstermin:
15/10/2009
USK:
ab 18 Jahren / Keine Jugendfreigabe
Entwickler:
Double Fine Productions
Vertrieb:
Electronic Arts
Betriebssystem:
Playstation 3, PS3
HD-Auflösung:
720p
Anzahl Spieler:
1-8
Onlinefähig:
Ja
Trophäen:
Ja
Website:
Preis:
ca. 55.00 €
SSG Meinung
Die Idee, Videospiele und Musik zu verbinden, ist nicht neu. Auf der einen Seite stehen reine Musikspiele wie Singstar, Guitar Hero und Rock Band, auf der anderen Seite Spiele, deren Soundtrack einen enormen Einfluß auf das Spielgeschehen hat. An dieser Stelle fällt mir leider spontan als erstes das unsägliche 50 Cent-Spiel "Blood on the Sand" ein, und das ist äußerst schade. Doch das ändert sich hoffentlich jetzt, denn Tim Schafer hat es sich zur nicht unbedingt einfachen Aufgabe gemacht, die Welt des Heavy Metal in einem Spiel umzusetzen. Und wer Schafers bisherige Spieleklassiker von Lucas Arts kennt, weiß, daß er keine halben Sachen macht. Also wurde Metal-Comedian Jack Black als Sprecher und Charaktervorbild für die Hauptrolle des Roadies Eddie Riggs verpflichtet, der aufgrund eines berufsbedingten Unfalls in eine Metal-Fantasiewelt versetzt wird, in welcher Dämonen die Menschheit versklavt haben.Überhaupt ist die Story des Spiels recht abgefahren und dabei sehr humorvoll. Eddie startet mit Hilfe der unterdrückten Headbanger-Schar eine Revolution und entdeckt bei seinem Kampf gegen Oberbösewicht Doviculus (genial gesprochen von Schauspieler Tim Curry) auch das ein oder andere Geheimnis über sich selbst. Dabei wird der Spieler stets mit witzigen Dialogen und einer spannenden Charakterentwicklung bei Laune gehalten.
Da beim Design des Spiels Action-Adventure inklusive Open World und Echtzeit-Strategie gekreuzt wurden, muß man aber auch ein wenig zu Kompromissen bereit sein was die Komplexität und Tiefe der Spielmechanik angeht. So kann man sich zum einen der Story widmen, die Welt nach versteckten Boni absuchen oder um Nebenquests kümmern. Dabei kommt es einem aber eher so vor, als ob man nur durch die offene Welt reist, um zum nächsten geskripteten, abgeschlossenen Story-Level zu kommen, als daß man ein Handlungsfreiheitsgefühl wie zum Beispiel bei Grand Theft Auto erlebt. Die Strategieelemente kommen meist in Schlüsselmomenten der Story und den dazugehörigen entscheidenden Schlachten zum Tragen, dienen aber auch als Multiplayer-Modus. Die Echtzeitkämpfe wirken zwar oft sehr hektisch, verlieren dabei aber fast nie ihren strategischen Charakter und geben so dem Spiel eine neue Dimension. Für ein wenig Abwechslung sorgen nebenbei auch Checkpoint-Rennen, Schießstand- und Ambush-Mission. Der Singleplayer-Teil des Spiel lässt sich ohne Nebenquests in ca. neun Stunden bezwingen, dank des Mehrspieler-Modus, insbesondere des 4vs4.Battles, bietet Brütal Legend aber auch noch darüber hinaus über eine längere Zeit Motivation. Zudem lassen sich Multiplayer-Partien auch offline gegen die KI austragen, falls mal kein Verlangen nach einem menschlichen Opponenten besteht.
Gameplaymäßig sind die Kämpfe durch den Stilmix natürlich von ihrer Geschwindigkeit und ihrem Flow her nicht vergleichbar mit Titeln wie Ninja Gaiden, da auch die Steuerung nicht ganz so sensibel anspricht. Nichtsdestotrotz macht es unheimlich viel Spaß sich mit Eddie’s Axt in das Getümmel zu stürzen und mit seiner Gitarre Gegner zu elektrifizieren. Die Idee, mit speziellen Gitarrensoli zum Beispiel Mitstreiter zu beschwören, ist auch gut integriert und recht innovativ und rundet das Metal-Feeling genauso ab wie die Team-Attacken, bei denen man mit einem Kumpanen auf den Schultern auf den Gegner zustürmt. Zudem lassen sich beim Wächter des Metal persönlich, keinem geringeren als Ozzy Osbourne himself, Powerups für Waffen oder Eddies Hot Rod kaufen, um leichter gegen die Heerscharen des Bösen zu bestehen. Hilfreich beim Bestreben die Welt zu retten ist außerdem, daß es keinerlei Bestrafungen für Eddies Tod gibt außer dem Zurücksetzen an den letzten Checkpoint. Damit dies nicht allzu oft geschieht, sollte Eddie nicht immer an vorderster Front stehen, sondern mit Flügeln übers Schlachtfeld gleitend seine Einheiten befehligen. Dies gestaltet sich leider manchmal aufgrund mangelnder Übersicht und der Tatsache, daß man in physischer Nähe der Zieleinheit sein muß, etwas mühsam, geht aber nach einiger Zeit ganz gut von der Hand. Außerdem kann Eddie ja zur Not immer noch persönlich eingreifen.
Grafisch wurde Brütal Legend mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet. Wenn man meckern möchte, kann man dies ein wenig bezüglich der etwas steifen Animationen der Figuren tun, dies wird aber im Gesamtpaket durch eine unheimlich kreativ gestaltetete, nordisch anmutende Heavy-Metal-Welt mit schönen Farben und passenden Wettereffekten wieder gut gemacht. Der hervorragende Soundtrack mit seinen zum Teil freischaltbaren Songs bietet mit Bands wie Jack Black’s Tenacious D oder Black Sabbath und Motörhead nicht nur für reine Genre-Fans einige Perlen und viele Ohrwürmer. Nicht zu vergessen sind an dieser Stelle die in der englischen Originalversion exzellenten Sprecher.
Fazit:
Ja, Brütal Legend hat es geschafft. Endlich ein Musikspiel der anderen Art, an das man sich gerne erinnert. Eine unterhaltsame und humorvolle Story, liebenswerte Charaktere, ein ausgewogener Genremix und eine ansprechende Präsentation inklusive eines höllischen guten Soundtracks. So hat Brütal Legend auf alle Fälle das Zeug zum Klassiker im Spiele- und Metal-Olymp und verdient nicht nur für eingefleischte Headbanger eine Empfehlung.
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