Kingdoms of Amalur: Reckoning

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Redakteur: Gargoyle

Kingdoms of Amalur: Reckoning

Genre: Action/Adventure

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Kingdoms of Amalur: Reckoning Cover
Erscheinungstermin:
09/02/2012
USK:
ab 18 Jahren / Keine Jugendfreigabe
Entwickler:
Big Huge Games / Curt Schillings 38 Studios
Vertrieb:
Electronic Arts
Betriebssystem:
Playstation 3, PS3
HD-Auflösung:
720p
Anzahl Spieler:
1
Onlinefähig:
Nein
Trophäen:
Ja
Website:
Preis:
ca. 60.00 €
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SSG Meinung

Als hätten Rollenspielfans je nach Vorliebe aktuell nicht schon genug mit Titeln wie Skyrim, Final Fantasy XIII-2, The Old Republic und bald auch Mass Effect 3 zu tun, will nun auch noch Big Huge Games mit seinem brandneuen Action-Rollenspiel-Epos Kingdoms of Amalur: Reckoning PC-, Xbox-360- und PS3-Besitzer gleichermaßen in den Bann von Amalur ziehen. Mit großen Namen wie Ken Rolston (Entwicklungsleitung), R. A. Salvatore (Story) und Todd McFarlane (Design) wird fleißig die Werbetrommel gerührt - aber kann das fantasievolle Open-World-Spektakel letztendlich auch als stimmiges Gesamtpaket überzeugen? Wir haben stellvertretend die Version für Sonys PlayStation 3 getestet.

Wie in vielen anderen Fantasygeschichten übernehmt ihr auch in Reckoning die Rolle des mehr oder minder edlen Retters, der seines eigenen Schicksals Schmied ist. Doch nachdem ihr zu Beginn des Spiels nach eurem vermeintlichen Ableben auf einem Berg von Leichen aufwacht wird nach und nach klar, dass ihr eben nicht nur euer eigenes Schicksal in der Hand habt, sondern das des gesamten Königreichs. Denn normalerweise ist jedem Bewohner Amalurs ein bestimmtes Schicksal vorherbestimmt, dem er sich nicht entziehen kann - es sei denn, man ist natürlich gerade von Toten auferstanden. Unter dieser Voraussetzung kann man sich auch recht entspannt mit einem Bösewicht anlegen, der nichts besseres zu tun hat, als das gesamte Königreich ins Unheil zu stürzen. Ohne zu viel verraten zu wollen, Salvatores Story um (Dunkel-)Elfen, Gnome und Menschen hat zwar einiges an Umfang zu bieten - besonders die einzelnen Hintergründe sind toll ausgearbeitet - allerdings braucht die Geschichte eine gewisse Zeit, bis sie wirklich in Fahrt kommt und wird durch den letztendlich geringen Einfluss, den der Spieler durch das Dialogsystem auf sie ausüben kann, einige einfallslose Quests sowie blasse Charaktere ein wenig ausgebremst.

Punkten hingegen kann Kingdoms of Amalur: Reckoning hingegen mit seiner riesigen offenen Spielwelt, die in viele abwechslungsreiche Areale unterteilt ist, welche sich wiederum nach und nach bereisen lassen. Der Open-World-Ansatz wird somit leider ein wenig durch die Tatsache verwässert, dass es trotz der einladenden Gebiete, die in fünf Hauptabschnitte aufgeteilt sind, klare Levelbegrenzungen gibt. Der Aufbau der Welt ist eher vergleichbar mit Spielen wie World of Warcraft als mit Skyrim. Aufgrund der Fläche wünscht man sich gerade zu Beginn des Spiels, wenn man noch nicht alles Schnellreisepunkte nutzen kann, ein Reittier. Ein Königreich für ein Pferd!

In Sachen Spieldesign bietet Reckoning einen Mix aus klassischem Rollenspiel und actionbetontem Hack and Slay. Nach unserem Aufwachen finden wir uns dann zunächst auch ganz typisch in einem Charaktereditor wieder, dürfen eine Rasse und Geschlecht wählen sowie viele kleine Details von Tätowierungen über Haarfarbe bis hin zu Ohrringen. Auch Talente weisen wir unserem Charakter zu, wobei Reckoning dabei nicht auf eine sonst übliche strenge Klasseneinteilung setzt: Viel mehr findet eine fließende Charakterentwicklung statt, bei der sich Klassen und ihre Fähigkeiten beliebig kombinieren lassen. Je nachdem wie man seine Skillpunkte in die drei Bäume Macht, Raffinesse und Zauberkraft investiert, kann man also als meuchelnder Schurke oder mächtiger Kampfmagier durch die Lande ziehen. Sehr lobenswert ist an dieser Stelle auch zu erwähnen, dass sich euer Charakter gegen einen kleinen Obolus (selbstverständlich in Spielwährung) jederzeit umskillen lässt - man kann also durchaus auch im Spielverlauf neue Kombinationen ausprobieren, beispielsweise wenn man eine neue Waffe erbeutet hat. Dass eine solche Komfortfunktion nicht zwingend selbstverständlich ist, zeigt unter anderem das Japano-Rollenspiel Final Fantasy XIII-2.

Was die Gestaltung der Quests angeht, waren die Designer von Kingdoms of Amalur: Reckoning leider nicht ganz so einfallsreich. Es gibt viele eintönige Hol- und Bringquests sowie die obligatorischen "Töte x Gegner und sammle y Gegenstände". Zum Glück werden diese Missionen auch immer wieder durch etwas innovativere Ideen aufgelockert, besonders die verschiedenen Fraktions-Questreihen wurden deutlich liebevoller umgesetzt und locken bei Abschluss mit einem besonderen Bonus und Ehrentitel für euren Recken. Ansonsten ist klassisches Itemsammeln angesagt. In relativ kurzen Abständen findet ihr immer besseres Werkzeug im Kampf gegen das Böse und komplettiert Waffensets, die wiederum spezielle Boni verleihen. Zudem sind manche Gegenstände auch mit Edelsteinen sockelbar - den perfektionistischen Sammlern unter euch steht mit Reckoning also eine große Aufgabe bevor. Sollte eine Waffe grundsätzlich gute Werte haben, aber nicht zu eurem Charakter passen, lässt sich diese auch in Einzelteile zerlegen und die Stats so auf andere Gegenstände übertragen. Wem das noch nicht genug Bastelarbeit ist, kann zudem mit dem Brauen von Tränken experimentieren und durch das vermischen diverser Zutaten neue Trankrezepte erlernen. All diese Möglichkeiten resultieren dann in einer Mindestspielzeit von circa 20 Stunden, die aber nur erreicht wird, wenn man mit Scheuklappen der Hauptquest folgt - wer eine Fraktionsquest und diverse Nebenhandlungen erledigt sowie vom Sammeltrieb geplagt wird, kann auch gerne das Vierfache an Zeit investieren.

Dabei begeistert einen dann aber vor allem das durchdachte, actionlastige Gameplay: Das Kampfsystem basiert auf in drei Schritte unterteilten Combo-Attacken, die - genauso wie das Blocken - genaues Timing erfordern. Die Spielmechanik wirkt hier deutlich intelligenter als in anderen Rollenspielen und macht dementsprechend mehr Spaß.

In Sachen Präsentation kann Kingdoms of Amalur dieses hohe Niveau leider nicht ganz halten. Auf der einen Seite ist der von Todd McFarlane entwickelte Artstyle mit seiner bunten, comichaften Gestaltung sehr stimmig, sodass die abwechslungsreichen Areale den Spieler durchaus zu verzaubern wissen. Der Grafikstil erinnert im Übrigen wie schon der Kartenaufbau ein wenig an World of Warcraft, eine fotorealistische Darstellung sollte man also nicht erwarten. Auf der anderen Seite muss man in Sachen Charakterdetails und Animationen einige Abstriche machen. Wirklich ärgerlich hingegen sind die Kameraprobleme, die das Spiel plagen: Mal abgesehen davon, dass der Kamerawinkel viel zu stark nach unten geneigt ist, sodass man die prachtvollen Weiten der einzelen Gebiete manchmal gar nicht wahrnimmt, hängt die Kamera auch gerne mal im Boden fest - schade. Die musikalische Untermalung sorgt für gute Stimmung, erreicht aber nie die Klasse von Genreprimus Skyrim. Bei der Sprachausgabe empfehlen wir die englische Variante, die von Qualität und Intensität der deutschen Version deutlich überlegen ist.

Zu guter Letzt sei noch ein weiteres Ärgernis erwähnt: der berühmt-berüchtigte Online-Pass. Käufer einer verschweißten Ladenversion erhalten nicht nur eine an Mass Effect angelehnte N7-Rüstung (die es übrigens auch für Spieler der Demo von Mass Effect 3 kostenlos gibt), sondern auch die gelungenen Fraktions-Questreihen, die angeblich als kostenpflichtiger Download angeboten werden sollten, nun aber der Ladenversion beiliegen. Es ist schon irgendwie beunruhigend, wie man jetzt nicht nur bei Multiplayer-Games versucht, dem Handel mit gebrauchten Spielen Einhalt zu gebieten und Singleplayer-Spiele offensichtlich um Inhalte beschneidet, um den Neukauf zu fördern. Vielleicht nicht die beste Taktik, wenn man ein neues Franchise einführen möchte ...

Fazit:
Auch wenn in unserem Test einige Kritikpunkte auftauchen, Kingdoms of Amalur: Reckoning macht sehr viel Spaß und ist allein wegen seiner durchdachten Spielmechanik, dem freien Charaktersystem und der farbenprächtigen Welt definitiv einen Blick wert. Viele Ideen sind zwar nicht neu, stellenweise könnte das Questdesign innovativer sein und die Auswirkungen der Entscheidungen unseres Hauptcharakters dürften sich gerne etwas mehr im Geschehen der Haupthandlung widerspiegeln, unterm Strich erhalten Rollenspielfans aber einen hervorragenden Mix aus Rollenspiel und Action, der lange Zeit zu motivieren weiß. Besonders freuen wir uns schon auf den bereits angekündigten Downloadcontent, der eine Pirateninsel, neue Quests und Spielerhäuser ins Spiel integriert - Arrrrrrrrrrr!


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