Alpha Protocol

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Redakteur: Gargoyle

Alpha Protocol

Genre: Rollenspiel

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Alpha Protocol Cover
Erscheinungstermin:
28/05/2010
USK:
ab 16 Jahren
Entwickler:
Obsidian Entertainment
Vertrieb:
SEGA
Betriebssystem:
Playstation 3, PS3
HD-Auflösung:
720p
Anzahl Spieler:
1
Onlinefähig:
Nein
Trophäen:
Ja
Website:
Preis:
ca. 45.00 €

SSG Meinung

Als ich das erste Mal etwas über Alpha Protocol gelesen habe, war ich ja von der Idee eines Spionage-Rollenspiels gleich angetan. Wie reizvoll wäre es denn, einen Agenten wie James Bond mal nicht in Form eines Action-Shooters nachzuspielen? Mit Obsidian war auch ein erfahrenes Entwicklerteam am Werk, das schon RPG-Hits wie Knights of the Old Republic 2 und Neverwinter Nights 2 abgeliefert hatte. Und auch die Erwartungen an das noch ausstehende Fallout: New Vegas sind nicht minder hoch. Was kann also bei dieser Kombination schon schiefgehen? Leider einiges. Nachdem sich der Release des Spiels aus Qualitätsgründen nicht unerheblich verzögert hatte, hätte man noch optimistisch denken können: „Sie wollen es halt perfekt machen!“ Rückblickend stellt sich nun aber die Frage, in welch unfertigem Zustand das Spiel wohl zum ursprünglich anvisierten Veröffentlichungsdatum gewesen sein muss.

Aber fangen wir erstmal mit etwas Positivem an, z. B. der recht spannend erzählten Story. Michael Thorton, Held des Spiels und seines Zeichens Agent der Geheimorganisation Alpha Protocol, wird in seiner ersten Mission nach Saudi-Arabien geschickt, um einen Terroranschlag zu verhindern. Doch auch hier läuft nichts nach Plan und schneller als man „Spionage-Rollenspiel“ sagen kann, steht man als abtrünniger Agent dem eigenen Arbeitgeber gegenüber. Die weitere Handlung wird ansprechend und stimmungsvoll erzählt, man trifft auf interessante Charaktere an interessanten Orten, inklusive Doppel- und Dreifachagenten und allem, was dazu gehört. Aufgrund des durchdachten Konversationssystems, das einen durch die Dialoge mit den NPCs führt, hat man dank vieler Entscheidungsmöglichkeiten mit entsprechenden Konsequenzen das Gefühl, die Handlung tatsächlich maßgeblich zu beeinflussen. Grundsätzlich würde sich wegen des Skripts auch ein mehrfaches Durchspielen von Alpha Protocol anbieten, wären da nicht diverse grobe Schnitzer im Design und Gameplay.

Das Design glänzt nach dem obligatorischen Trainingslevel und der Saudi-Arabien-Mission mit einer großen Entscheidungsfreiheit für den Spieler, so lässt sich unter anderem auch die Missionsreihenfolge beliebig wählen. Nach und nach baut sich ein komplexes Netz aus Charakteren, Locations und Organisationen auf. Zwischen den Missionen kann man sich die Zeit mit Shopping vertreiben, indem man neue Ausrüstungsgegenstände oder missionsrelevante Informationen einkauft oder mit E-Mails zwecks Kontaktpflege und Erpressung verschicken. Auch hierbei spürt man, wie auch bei den Dialogsequenzen, die Auswirkungen auf den Spielverlauf. Die Gespräche mit euren Gegenübern führt ihr, indem ihr in einem knappen Zeitfenster eine von mehreren vorgegebenen Emotionen auswählt, die dann eine passende Antwort zur Folge hat, nach dem Motto „der Ton macht die Musik“. Das birgt ein gewisses Überraschungsmoment, macht aber bei Alpha Protocol neben den Mini-Games noch am meisten Spaß. Denn während der schwach designeten Missionen muss man sich dann meist mit einer äußerst hakeligen Steuerung und einer ziemlich dämlichen KI herumschlagen.

Was uns zum Gameplay bringt. Hier zeigt sich ein großes Problem des Rollenspiels: Es sieht aus und fühlt sich zunächst auch an wie ein Shooter. Spätestens beim zehnten sicher geglaubten Headshot wird einem aber klar, dass im Hintergrund ein Rollenspielsystem die Aktionen auswürfelt. Und da geht so ein Kopfschuss eben auch mal daneben. Auch die Rollenspiel-typische Spezialisierung bestimmter Fähigkeiten sorgt im Spielverlauf für unfreiwillig komische Momente. Bestes Beispiel dürfte wohl das Schleichen sein, das es einem bei entsprechender Spezialisierung ermöglicht, ungesehen direkt auf den Gegner zuzulaufen und ihn „unbemerkt“ von vorne niederzumeucheln. Die bereits angesprochene, wenig Rückmeldung vermittelnde Steuerung und eine wirklich sehr dämliche künstliche Intelligenz Marke „Kanonenfutter“ tun ihr übriges, um den Spielspaß in den Keller zu befördern.

Und auch die Präsentation kann hier nichts mehr retten. Nicht, dass sie es versuchen würde. Die Sprachausgabe ist zwar von Stimmen und Qualität sehr solide, die Grafik aber alles andere als zeitgemäß, auch für einen Multiplattform-Titel. Während die Texturen in den Gesichtern noch ganz okay aussehen, sind die restlichen Körper- und Kleidungstexturen grobschlächtig und verwaschen. Über die Animationen, auch hier sei vor allem wieder das Schleichen als Beispiel angeführt, sollte man am besten auch nicht viele Worte verlieren, sie sind aber immer wieder für einen Lacher gut.  Auch die Leveltexturen sind bestenfalls Mittelmaß und nur wenig liebevoll gestaltet.

Fazit:
Wieder einmal ein klarer Fall von verschenktem Potenzial. Eine gute, sich vom Einheitsbrei abhebende Spielidee trifft auf die harte Realität. Die grafische Präsentation hinkt aktuellen Titeln deutlich hinterher. Das wäre noch verschmerzbar, aber trotz aller guten Ansätze, einer stimmigen Atmosphäre und dem wirklichen interessanten Konversations- und Entscheidungssystem wirkt Alpha Protocol bezüglich seines Gameplays unfertig. Sowohl die Spielmechanik als auch die dümmliche KI verhindern größeren Spielspaß. Den finden nur wirklich hartgesottene und masochistisch veranlagte Genre-Fans.


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