Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn

SSG Meinung
Die Herr der Ringe der Ringe-Trilogie ist auch viele Jahre nach dem großen Kinoerfolg eine Cash Cow per definitionem. Daher wird im Bereich der Lizenzversoftungen kaum ein Franchise sprichwörtlich so sehr gemolken wie das um Tolkiens Ring-Epos. Aber was tun als Spieleentwickler, wenn die Geschichte schon komplett erzählt ist und man den Spieler kaum noch überraschen kann? Ein zu beschreitender Weg ist jener, den Headstrong Games in Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn gleich in der Anfangssequenz des Spiels geht. Wo kommt denn da der Balrog her, der da bei der finalen Schlacht am Schwarzen Tor von Mordor gegen Aragorn gekämpft haben soll - hat nicht Gandalf gegen selbigen in den Minen von Moria gekämpft?Tja, dies ist eben nur ein kleine erzählerische Variante, denn die Abenteuer von Aragorn werden eben so wiedergegeben, wie der Erzähler und Mitstreiter der Gefährten Samweis Gamdschie sie erlebt haben mag oder einfach nur zum Besten geben möchte. Somit wird Spannung durch Subjektivität erzeugt. Wer hätte beispielsweise gewusst, dass Aragorn Gimli kurz vor Bruchtal vor zwei bösen Trollen gerettet hat und dass die Elbenzuflucht bereits massiv von Orks und Goblins heimgesucht wurde? Doch ist nicht alles Seemannsgarn. Man könnte sagen, dass die ursprüngliche Geschichte lediglich um einige Details, sprich vor allem Kampfgeschehen, erweitert wird.
Ausgangspunkt und gleichzeitig Hub für die verschiedenen Abenteuer ist das lauschige Auenland. Hier soll Samweis, der ehemals enge Begleiter Frodos und mittlerweile Bürgermeister von Hobbingen, für seine großen Taten im Ringkrieg geehrt werden. Anlass genug also, um ein Dorffest auszurichten, für Samweis jedoch eher Anlass, sich regelmäßig von den Festivitäten davonzustehlen, um dem interessierten Nachwuchs die doch so spannenden Geschichten vom amtierenden König Elessar alias Streicher oder auch besser bekannt unter dem Namen Aragorn zu erzählen.
Der Spieler darf alle wichtigen Ereignisse wie etwa die bekannte Flucht aus Bree vor den Ringgeistern über die Wetterspitze bis nach Bruchtal aktiv durchleben. Dort etwa gilt es, in Form von Miniquests die Gefährten zusammenzutrommeln. Aber natürlich dürfen auch die Schlachten um Helms Klamm und am Fuße von Minas Tirith nicht fehlen.
Die einzelnen Stationen und Schlachten stellen jeweils eine große Karte dar, auf der es verschiedene Quests zu absolvieren gilt. Diese sind nach Priortät gestaffelt. So gibt es neben den Hauptaufgaben, welche die Story vorantreiben, noch einiges zu tun. Durch Erfüllung von Nebenquests erhält man Vorteile in Form von Ausrüstung wie z. B. einen Ring oder ein Zepter, welche die Stats der Party verbessern. Zusätzlich gibt es noch jede Menge mehr zu erledigen. Findet man einen Palantir, werden alle relevanten Punkte auf der Karte aufgedeckt. Weiterhin liegen in entlegenen Winkeln der Map sogenannte Merkmale verstreut, die zur Erhöhung der Angriffskraft und Gesundheit der jeweiligen Gefährten beitragen.
Weiß man an einer Stelle des Spiels einmal nicht weiter, so hilft die komfortable Wegfindung durch Betätigung des A-Knopfes, den Weg zum nächsten Missionsziel zu visualisieren. Praktisch ist hierbei auch die Funktion, im Menü zwischen den Aufgaben hin- und herzuschalten. Die verschiedenen Missionstypen beinhalten beispielsweise Kräutersuchen gegen die Zeit, Ausheben von Feindnestern, Verteidigung und Schutz von wichtigen Personen und Orten oder Eskorte.
Neben der Kartenfunktion gibt es im Menü auch einen Shop für Artefakte, die gekauft werden können und die Stats verbessern oder eine besondere Wirkung entfalten. Stimmungsvolles Detail ist die kleine Enzyklopädie, die sich im weiteren Verlauf des Spiels vervollständigen lässt und immer wieder nette Anekdoten und Randnotizen des Tolkien-Universums Preis gibt.
Gesteuert wird Aragorn mit dem Analogknüppel des Nunchuks. Schwerthiebe werden durch Schwenken der Wiimote ausgelöst. Der Spieler kann auf diese Weise zustechen, einen schmetternden Hieb von oben nach unten oder seitliche Hiebe ausführen. Zusätzlich hierzu lässt sich durch Betätigung des Z-Knopfes mit dem Schild blocken. Durch Schwingen des Nunchuks ist es zusätzlich möglich, den Gegner mit einer Fackel in Brand zu setzen oder einen Schildhieb zu aktivieren. Nicht zuletzt kann der Spieler mit einem gezielten Bogenangriff durch Anvisieren mit der Wiimote und Abschießen des Pfeils mit dem B-Knopf den Feind attackieren.
Eine ausgefeilte Kampftechnik ist dringend notwendig, denn viele verschiedene Gegnertypen wie Spinnen, Goblins, Trolle oder Uruk-hais mit oder ohne Schild sowie Nah- und Fernkämpfer wollen den befreundeten Recken ans Kettenhemd. Wie gut, dass Aragorn in Bruchtal sein Schwert Anduril erhält, damit seinen Anspruch auf die Thronfolge geltend macht und seine Mitstreiter durch dessen Einsatz im Kampf zu Höchstleistungen anspornt.
Am Ende eines jeden Ereignisabschnitts findet eine statistische Abschlussbewertung statt. Hier wird zum Beispiel der individuelle Erfolg durch die Anzahl der erfüllten Nebenquests, gefundene Artefakte oder Hinweise genauer unter die Lupe genommen. Zwischen den einzelnen Abenteuern von Aragorn hat der Spieler die Möglichkeit am Dorffest teilzunehmen und dort neue Fertigkeiten wie den geschickten Einsatz des Schildes oder das Bogenschießen zu lernen und zu üben.
Leider gehört die Abenteuer von Aragorn nicht zu den grafisch beeindruckenden Spielen auf der Wii. Zwar muss ihm zugute gehalten werden, dass die Areale recht groß und damit rechenintensiv sind. Auf der anderen Seite ist die Texturenschwäche eklatant. Zudem wirkt das Bild ebenso wie die dargestellten Texte unscharf. Erschwerend kommt hinzu, dass das Gelände zwar frei begehbar ist, aber der Spieler dennoch an vielen Stellen gegen unsichtbare Wände läuft. Überzeugender ist da schon die Musik, die natürlich Variationen der bekannten Melodien aus Peter Jacksons Fantasy-Mammutwerk beinhaltet. Sehr zur Stimmung tragen auch die vielen, aus dem Film bekannten Synchronstimmen bei.
Da Aragorn stets mit seinen Gefährten unterwegs ist, darf ein Koop-Modus natürlich nicht fehlen. Auch wenn es oftmals der Buchvorlage widerspricht, kann ein zweiter Mitspieler Aragorn in der Figur des Gandalf zu jeder Zeit tatkräftig beistehen.
Fazit:
Tolkien-Verehrer und Fans von Peter Jacksons Filmvorlage werden die tolle Atmosphäre der Versoftung regelrecht atmen, sich über die vielen kleinen liebevollen Details freuen und über manchen Mangel hinweg sehen. Betrachtet man das Spiel jedoch ohne die große Lizenz nüchtern als reine Third-Person-Action, fällt auf, dass das Gameplay-Kernelement, der Schwertkampf, zwar anfangs recht spaßig ist, auf Dauer aber einfach nicht fesseln kann. So lässt sich das Spiel nur enthusiastischen Herrn der Ringe-Fans empfehlen. Alle anderen sollten vor dem Kauf probezocken.
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