Wii Party

Bild von Olebrumm
Redakteur: Olebrumm

Wii Party

Genre: Action

Teilen
Cover: Wii Party
Erscheinungstermin:
08/10/2010
USK:
ohne Altersbeschränkung
Entwickler:
Nintendo
Vertrieb:
Nintendo
Betriebssystem:
Wii
HD-Auflösung:
K.A.
Anzahl Spieler:
1-4
Onlinefähig:
Nein
Trophäen:
Nein
Website:
Preis:
ca. 45.00 €

SSG Meinung

Wer dachte, dass man Partys vor der heimischen Glotze erst seit Singstar und Co. feiert, hat bereits die eine oder andere Stunde grandiosen Mehrspielerspaßes verpasst. Mit allerlei lustigen Minispielsammlungen geht es an Nintendos Konsolen nämlich bereits seit dem N64 hoch her. Doch stopp, wem jetzt schon ein "It's a meeeee!" durch den Kopf schießt, ist auf dem digitalen Holzweg, geht es hier doch vielmehr um die neuen heimlichen Stars der Videospielszene, die Miis.

Statt mit Mario und Co. über Gesellschaftspielbretter zu jagen, sind diesmal also die kleinen Alter Egos der jeweiligen Spieler am Start. Nichts neues eigentlich, schließlich gab es ja zum Wii-Launch mit Wii Play schon mal eine Minispielsammlung mit den kleinen Miis. Doch damals war das Kaufargument eher die beigelegte Wiimote, weniger die Qualität des Spiels. Mit Erscheinen von Wii Party ist das aber genau umgekehrt und so viel sei schon vorweg genommen: Diesmal sollte man sich das Bundle vor allem wegen des Spiels, weniger wegen der Wiimote kaufen.

Im Hauptmenü hat man die Auswahl zwischen den drei Hauptkategorien „Gesellschaftspiele“, „Teamspiele“ und sogenannten „Zimmerspielen“.  Diese sind für bis zu vier Spieler gedacht und unterscheiden sich in Dauer und Komplexität. Sie sind aber meist nur der Rahmen, der die 80 verschiedenen Minispiele sinnvoll miteinander verknüpft. Anders die „Zimmerspiele“, doch hierzu später mehr.

Kommen wir zunächst zu den „Gesellschaftspielen“. Hier kann die Partygemeinschaft zwischen vier Spielarten wählen. Der am ehesten dem klassischen Mario Party entsprechende und an klassische Brettspiele erinnernde Modus ist die „Insel der Abenteuer“. Hier würfelt jeder Mitspieler - fehlende menschliche Kollegen werden durch CPU-gesteuerte Miis ersetzt - eine möglichst hohe Zahl, um als Erster an die Spitze eines Inselbergs zu gelangen. Dort angekommen, muss man wiederum die richtige Zahl würfeln, um die Partie zu gewinnen. Nach einer Runde gilt es jeweils ein Minispiel zu bestreiten. Gewinnt man dieses, erhält man Boni beim Würfeln und kann so schneller das Ziel erreichen. Doch gibt es positive oder negative Ereignisfelder. So kann man Felder gut machen oder auf dem Spielfeld weit zurückgeworfen werden.

Allerdings ergibt es sich fast in jedem Spiel, dass man zu viert auf dem letzten Würfelfeld steht und versucht mit Glück vor den anderen die passende Zahl zu würfeln. Spielerisches Geschick und somit viele gewonnene Minispiele werden also nicht belohnt. Dies macht die Angelegenheit zum reinen Glücksspiel. Ähnlich verhält es sich beim „Bingo“-Modus. Anfangs gewonnene Spiele wirken sich auf einen Erfolg selten aus. Wird der Jackpot mit der Zeit multipliziert, ist dieser so hoch, dass im Grunde nur Minispiele im fortgeschrittenen Verlauf der Partie entscheiden.

Bei den witzig gestalteten „Teamspielen“ dreht sich dagegen alles um das Kooperativspiel. Für Pärchen besonders interessant ist der Modus „Wellenlänge“. Ziel ist es dort, eine möglichst große Gemeinsamkeit mit seinem Mitspieler zu haben. So müssen beide Spieler Fragen zu ihren Vorlieben beantworten. Aber eigentlich ist dies mehr ein kleiner Beziehungstest, denn zwei Wildfremden wird sich der Sinn dieses Modus kaum erschließen. Eher noch beim anschließenden kooperativen Spiel, bei dem man beispielsweise mit zwei Astronauten, die aneinander angeleint sind, schnellstmöglich durch ein Asteroidenfeld manövrieren muss.

Einer der spaßigsten Modi ist „Schlagseite“. Hier muss man es innerhalb von neun Runden schaffen, bei einem Segelschiff Miis so auf den Mast zu platzieren, dass dieses nicht in Schieflage gerät und schlimmstenfalls alle Insassen seitlich ins Wasser stürzen. Damit die Kleinen also nicht in Seenot geraten, ist es notwendig die unterschiedlich großen Passagiere geschickt zu platzieren. Der Gewinn der kooperativen Spiele ist dazu erforderlich, um gleich große Miis zu bekommen. So fällt das Ausbalancieren wesentlich leichter.

Die Seele von Wii Party sind natürlich die zahlreichen Minispiele. Hier hat Nintendo ganze Arbeit geleistet. Vom gemeinsamen Rudern im Wildwasserfluss über Puzzleteile Zusammenfügen oder Skispringen bis zum Gefecht in Null-Gravitation ist eine große Vielfalt an kurzweiligen Games mit im Gepäck. Natürlich werden die vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten der Wiimote vorbildlich unterstützt. Nur in wenigen Fällen könnte die Steuerung etwas genauer oder zuweilen auch etwas eingängiger umgesetzt sein.

Etwas wirklich Neues hat sich Nintendo bei den „Zimmerspielen“ einfallen lassen. Deren Besonderheit ist, dass das Wohnzimmer mit ins Spiel eingebunden wird. Ein besonderer Partykracher ist hier etwa der Modus „Bombenspiel“, einer Art „Heiße Kartoffel“-Variante. Hier muss die Wiimote in ihrer Funktion als virtuelle Bombe durch das Zimmer gereicht und bei der Übergabe möglichst darauf geachtet werden, dass diese nicht zu stark erschüttert wird. Die Zeit für die Übergabe wird immer weniger, so dass die Bombe früher oder später unausweichlich explodiert. Man kann sich vorstellen, dass hier gerade bei vier Spielern die Stimmung zum Bersten gespannt ist. Nach Hochgehen der Bombe sind Lachkrämpfe und gegenseitige Schuldzuweisungen regelmäßig angesagt. Diese Momente gehören zu den besten, die man bei Wii Party haben kann und das Spiel zu etwas Besonderem machen.

Weniger toll ist die lieblose Grafik, die ganz ungeniert viel hässliches Aliasing zeigt und meist sogar schlechter als die von Mario Party 4-7 auf dem Gamecube aussieht. Sie kann deshalb bestenfalls als zweckmäßig bezeichnet werden. Und wenn man dann schon mit der bekannten Serie vergleicht, muss man attestieren, dass einem die knuffigen Mario-Charaktere fehlen. So witzig die Miis sein mögen, den Charme eines Yoshi oder Wario können diese kleinen Avatare leider nicht versprühen.

Durchaus charmant ist dafür die launige, in diesem Genre fast schon obligatorische, japanische Kaufhaus-Düdelmusik. Doch bei längerer Dauer erweckt so mancher Track nach dem gefühlt tausendsten Loop das Verlangen, die Mute-Taste der Fernbedienung zu drücken.

Durch die Dreingabe eines Controllers ist Wii Party dafür ein richtiges Schnäppchen. Schade nur, dass dem Bundle nicht gleich die in den kommenden Tagen erscheinende Wiimote Plus beiliegt.

Fazit:
Im Vergleich zu Wii Play weiß Wii Party eindeutig zu überzeugen. Dies liegt vor allem an der Ausrichtung zur Mario Party-Serie sowie den tollen Minispielen, die zahlreicher, einfallsreicher und deutlich ausgefeilter sind. Wie bei allen Partyspielen gilt aber auch hier: Je mehr Spieler mitmachen, umso mehr Spaß macht die ganze Sache. Ist ja auch leicht nachvollziehbar, denn wer feiert schon gerne eine Party alleine?
 


Herstellerangaben einblenden