NBA Jam

SSG Meinung
Jedes Jahr streiten sich die großen Spielepublisher darum, eine möglichst akurate und realistische Umsetzung des amerikanischen Basketballs in Form von Bits und Bytes abuliefern. Dabei bleibt eine derartige Sportsimulation aufgrund hoher Ansprüche auch gern mal auf der Strecke, wie man bei der diesjährigen (Nicht-)Versoftung von NBA Elite 11 sehen konnte. Wie gut, dass EA Sports diesen Winter noch einen anderen potenziellen Basketball-Hit am Start hat.
Das hochantizipierte NBA Jam ist vor allem den Spielern der letzten Dekade des vergangenen Jahrhunderts ein Begriff. 1994 erschien das Dunking-Spektakel für die damals gängigen Konsolen wie SNES und Mega Drive. Hier konnte man erstmals in einer der spektakulären Sportart würdigen Umsetzung den großen 90er-Helden wie Charles Barkley, Hakeem Olajuwon, Magic Johnson, Shawn Kemp oder Scottie Pippen bei der Korbjagd nacheifern.
Das Konzept des Spiels ist relativ einfach. Zwei NBA-Teams bestehend aus jeweils zwei Spielern treten in vier Vierteln à drei Minuten gegeneinander an. Dabei liegt der Fokus des Spieles klar auf Arcade weniger auf einer Simulation der Basketball-Sportart. Das heißt also Regelwerk adé, denn Rempeln, Stoßen oder fünf Meter hohe Sprünge sind hier an der Tagesordnung.
Trifft ein Spieler das runde Netz dreimal hintereinander, ohne dass der Gegner einen Korb erzielt, ist dieser "on fire". Das bedeutet. er bekommt einen Boost bei allen Stats. So kann er besser verteidigen, trifft aber vor allem besser bei Würfen aus langer Distanz. Dies kann sehr hilfreich sein, um große Rückstände per Drei-Punkte-Wurf aufzuholen.
Bei freier Bahn zum Korb und Druck auf die Wurf- in Verbindung mit der Turbo-Taste kann der Spieler mit seinem Basketball-Star spektakuläre Dunkings vollführen. In Anlehnung an die Realität sind hier Qualitätsunterschiede feststellbar. Während vergleichsweise unathletische Spieler wie Jason Kidd nur seltenst in die Lüfte steigen, werden bei Spielern wie Lebron James oder DeMar DeRozan spektakuläre Flugaktionen vor der Korbverwertung vollzogen, die selbst Teilnehmer des alljährlichen Dunkcontests in Neid geraten lassen und gerne auch mal mit dem Serien-Wahlausruf: "Boomshakalaka!" kommentiert werden.
Damit das simple aber spaßige Spielprinzip vor allem solo nicht zu eintönig wird, hat EA Vancouver NBA Jam verschiedene Spielmodi spendiert. Bei der "Classic Campaign" beispielsweise tritt man mit einem Team gegen 36 andere Liga-Teams oder Basketball-Legenden in Reihenfolge an. Besonders erwähnenswert ist darüber hinaus der sogenannte "Slam"-Modus. Hier muss durch möglichst viele Dunks versucht werden, das Glas des generischen Basketballkorbs zu zerstören, was witzigerweise wie ein Beat-Em-Up anmutet. Sehr spaßig ist auch der "Domination"-Modus. Ähnlich wie bei manchen kompetitiven Ego-Shootern, müssen hier möglichst lange, möglichst viele Zonen besetzt werden, um eine höhere Punktzahl als der Gegner zu bekommen. Das Besetzen erfolgt hier jedoch nicht durch Frags, sondern durch Korberfolge. Eine sehr witzige und vor allem pazifistische Alternative.
Gesteuert werden darf mit der Wiimote quer gehalten, der Wiimote in Verbindung mit dem Nunchuk oder dem Classic Controller. Eine individuelle Konfiguration der Controller ist indes nicht möglich. In der Praxis gut geeignet und auch für den Mehrspieler Modus empfehlenswert ist die Steuerung mit der waagrecht gehaltenen Wiimote. Die Bewegungssteuerung in Einheit mit dem Nunchuk ist zwar durchaus gelungen, jedoch dürfte es dem durchschnittlichen Wii-Besitzer an vier Nunchuks für höchste Multiplayerfreuden fehlen.
Denn eines sollte auch beim Remake der Serie klar sein: Je mehr Mitspieler umso besser! Mit vier Spielern geht im heimischen Wohnzimmer die Post ab. Großer Vorteil im Vergleich zu komplexen Multiplayer-Granaten wie der FIFA- oder Pro Evolution Soccer-Reihe: Aufgrund des Fokus auf Arcade können Neulinge auch ohne große Übung schnell mit einsteigen und spektakuläre Aktionen vollführen. Trotzdem gilt auch hier, dass das Spiel einfach zu erlernen, jedoch schwer zu meistern ist, was vor allem auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad in aller Deutlichkeit unterstrichen wird. Leider gibt es im Gegensatz zu Xbox 360 und PS3 keinen Online-Modus.
Im Vorfeld wurde bereits ausgiebig über die jeweils zu vergebenden drei Spieler-Slots pro Team diskutiert. Diese Auswahl ist teilweise gut, teilweise weniger gut gelungen: So hätte man Dallas-Legende Jason Terry gegenüber Caron Butler bevorzugen sollen bzw. bei den Utah Jazz vermisst man Al Jefferson oder Paul Millsap. Darüber hinaus wäre gerade in Anbetracht der zahlreichen Spielerwechsel der Saison 2010/2011 indes eine Aktualisierungsfunktion für die Teamaufstellungen wünschenswert.
Leider ist die Grafik selbst für Wii-Verhältnisse eher unansehnlich. Dennoch zeigt der direkte Vergleich mit dem Vorgänger, dass das Urspiel einem grafisch besser in Erinnerung geblieben ist als angenommen. Diesbezüglich stellt das Remake von NBA Jam immerhin eine deutliche Verbesserung dar. Zudem ist die Grafik stets flüssig. Musik und Sounds sind beide gut gelungen und stimmungsvoll umgesetzt. Highlight sind natürlich wieder die Sprüche des Kommentators, die für eine launige Atmosphäre sorgen.
Fazit:
Für Fans des Vorgängers wird der Remake von NBA Jam zu den wichtigsten Spielen des Winters gehört haben. Für diese Personengruppe und für all jene, die im Zeitalter von Sportsimulationen einfach nur leicht zugängliche Basketball-Action wollen, ist der Dunking-Spaß genau das Richtige. Wer allerdings auf eine möglichst realistische Umsetzung der Sportart inklusive Franchise-Modus oder Sportkarrieren Wert legt, sollte sich lieber bei akurateren Umsetzungen der Basketballsportart umsehen. Denn auch wenn die verschiedenen Spielmodi vielfältig und mit Liebe gestaltet sind, werden sie auf Dauer ein wenig eintönig.
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